Archive for the 'Uncategorized' Category

GEO zur Gegenwart und Zukunft des Lesens

Wie lesen wir heute und in Zukunft? GEO hat sich in seiner August-Ausgabe des Themas angenommen und relativiert einige kulturpessimistische Annahmen. In dem Aufmacher-Text komme ich auch zu Wort. Also: Lesen, und zwar ganz, damit die Textredakteurin nicht heulen muss!

Neuer Artikel: Newssite-Relaunches unter der Lupe

In der aktuellen Ausgabe des “journalist” findet sich ein Beitrag von mir und Achim Schaffrinna vom Designtagebuch zu einigen Newssite-Relaunches der jüngsten Zeit: Wir bewerten die neuen Auftritte von stern.de, tagesschau.de, stuttgarter-zeitung.de, heute.de und n-tv.de. Dabei geht es um die Nutzerfreundlichkeit, das (vermittelte) redaktionelle Konzept und, natürlich, ums Design. Ein Trend, der mir besonders aufgefallen ist: Die Websites sind zunehmend so gestaltet, dass die eigenen Stärken und das redaktionelle Profil besser transportiert werden - bei den Stuttgartern etwa die deutliche Konzentration aufs Regionale, bei heute.de die Bild- und Bewegtbild-Orientierung.

in der gleichen Ausgabe steht übrigens auch ein lesenswerter Artikel zur redaktionellen Nutzung sozialer Netzwerke, in dem auch der Kollege Steffen Büffel zu Wort kommt.

Journalismus in Kolumbien

Wie Journalisten in Kolumbien von Politikern behandelt werden, zeigt uns dieser kleine Lehrfilm: Im orangen Hemd sehen wir Ignacio Gómez, Reporter bei der TV-Nachrichtensendung Noticias Uno (und mein Co-Autor bei “Der Agent und sein Minister”). Für die nicht-spanischsprachigen Zuschauer kurz der Hintergrund: Studierende einer Hochschule sollten für den Wahlkampf von Präsident Alvaro Uribe eingespannt werden. Der Präsident der Hochschule (und Senator) wird handgreiflich, als er sich von Gómez provoziert fühlt. Der wiederum muss sich anhören, er habe “das Gesicht eines Guerilleros”.

Spiegel online schiebt Links nach links

Bemerkenswert am Rebrush von Spiegel online ist die neue Gestaltung der Volltextseiten: Dass der Artikel in die Mitte rückt und zum Artikel gehörende Links nach, nun ja, links, ist mutig, aber kann durchaus funktionieren. Es geht um ein grundlegendes Problem von Newssites: Wie mache ich dem Leser deutlich, welche zusätzlichen Informationen ich zu einem Thema im Angebot habe? Nicht trivial: Wo platziere ich entsprechende Links? Wie kennzeichne ich unterschiedliche Medienformate wie Video oder Bilderstrecken? Wie mache ich deutlich, in welchem Zusammenhang der verlinkte Inhalte zum Haupttext steht - ist es ein Archivtext, ein Hintergrund, ein Kommentar?

Ein schönes Beispiel, wie es nicht funktioniert, ist das neue stern.de: Auf der Homepage ist jedes Top-Thema mit durch die Schriftgröße prominent hervorgehobenen Links versehen. Nicht immer halten diese, was sie versprechen: Oft genug sind es einfach Archivartikel zu einem sich entwickelnden Thema. Diesen Zusammenhang muss sich der Nutzer allerdings erst mühsam erschließen, zum Beispiel über Datumsangaben.

Zur Platzierung: Im alten SpOn wurden die zusätzlichen Links überwiegend in den Volltext platziert - entweder als vertikaler Balken für Fotostrecken oder als Kasten, an dem der Text rechts vorbei lief. Das halte ich bei Printmedien für möglich, bei denen der Leser den ganzen Artikel auf einen Blick sieht. Beim Scrollen und Scannen kann jedoch leicht der Überblick und damit der rote Nutzungsfaden verloren gehen. Insofern ist die Bündelung in einer Spalte konsequent. Die Platzierung am linken Rand bedeutet für den Leser erst mal einen Blicksprung bei jedem Aufruf einer Volltextseite: Auf der Homepage stehen die Teaser linksbündig, auf der Volltextseite muss das Auge erstmal in Richtung Bildschirmmitte springen. Ungewohnt, hat aber auch den Vorteil, dass die linke Spalte gesehen wird.

Die rechte Spalte wird nämlich nicht entsprechend wahrgenommen (und das soll auch der Grund für die Neuplatzierung sein, schreibt onlinejournalimus.de). Warum geht die rechte Spalte unter? Bei vielen Newssites wird sie als Fläche für Werbung, Tools und Eigenpromo genutzt. Aus der Blickaufzeichnungsforschung ist das Phänomen bekannt, dass diese Spalte wenig bis keine Aufmerksamkeit bekommt - ein gelerntes Verhalten, weil dort auch keine relevanten Inhalte erwartet werden, schon gar nicht Ergänzungen zum Haupttext. Auch das wieder ein Unterschied zu Print: In der gedruckten Zeitung gilt in der Tat bei Themenpaketen, dass der Haupttext bzw. die News links stehen, Ergänzungen tendenziell eher rechts, zum Beispiel in Infokästen. [Insofern teile ich die getwitterte Kurzkritik von Norbert Küpper in diesem Punkt nicht.]

Fazit: Die Platzierung in der linken Spalte ist für den Blick ungewohnt, kann aber funktionieren. Wichtig allerdings ist, dass die angebotenen Ergänzungen für den Leser leicht erschließbar sind. Mit automatisch generierten Verknüpfungen ist das nur bedingt möglich. Hier ist redaktionelle Handarbeit nötig.

Eine Bewertung zum neuen Spiegel.de gibts auch beim Designtagebuch.

Älter werden, Zeitung lesen

Der BDZV mal wieder. Diesmal mit einer goldenen Regel, die die Hoffnung auf nachwachsende Leserschaft zum Gesetz erhebt:

Die Leserstruktur der Tageszeitungen ist ins­gesamt stabil geblieben. Die Regel, dass mit steigendem Alter die Zahl der Zeitungsleser er­kennbar zunimmt, gilt weiterhin. 2009 liegt die Reichweite in der Altersgruppe von 30 bis 39 Jahren bei 65,0 Prozent (2008: 66,8 Prozent) und steigt auf 83 Prozent bei den 60- bis 69-Jährigen (2008 83,8 Prozent). Auch Jugendliche und junge Leute lesen Zeitung: bei den 14- bis 19-Jährigen liegt die Reichweite bei 45,1 Prozent; von den 20- bis 29-Jährigen greifen 56,3 Prozent täglich zur Zeitungslektüre.

Hoffentlich vergessen die jungen Alterskohorten nicht, rechtzeitig zu abonnieren.

Zeitungskrise? Nicht bei uns!

Der Bundesverband deutscher Zeitungsverleger erklärt uns in dieser Pressemitteilung, warum in Deutschland eine Zeitungskrise wie in den USA quasi undenkbar ist:

Anders als in den USA seien die Zeitungen in Deutschland sehr gut aufgestellt. Ein Grund sei die enge Bindung zu ihrem Publikum, die im Lokalen besonders ausgeprägt sei. Dazu gehöre außerdem ein Vertriebs­system, das mit der Zeitungszustellung bis zur Haustür weltweit beispielhaft sei. In Deutschland würden die besten Zeitungen der Welt gemacht und im Unterschied zu den USA und vielen anderen Ländern gelte hier nicht der ausschließlich renditeorientierte Shareholder value. Die deutsche Zeitungs­branche sei mittelständisch geprägt. An der Spitze stünden Verleger mit publizistischem und unternehmerischem Anspruch.

Zeitungswebsites, worst of

Ich habe in den letzten Tagen einen Blickauf die Websites von Zeitungen in Deutschland geworfen. Neben vielen gut gemachten und soliden Angeboten findet sich auch Seltsames (wie ich ja auch schon getwittert habe). Mancher Verlag sollte vielleicht lieber keine Website betreiben als, nun ja, solche:

Gandersheimer Kreisblatt

Münsterländische Tageszeitung

Elmshorner Nachrichten

Dann lieber gleich so.

Learnings from ICA Chicago

Ok, die ICA-Tagung in Chicago war gut, hier und da auch fachlich interessant. Fast noch interessanter jedoch fand ich, welche Variationen wissenschaftlicher Präsentationen heute auf internationalen Tagungen möglich sind. Ein paar Beispiele:

  • Statt Ghostwriter gibt es jetzt auch Ghostspeaker, die einen Vortrag in Vertretung der Einreichenden halten. Und dabei natürlich nicht müde werden zu betonen, dass sie von dem Thema eigentlich gar keine Ahnung haben - was Fragen vorbaut.
  • Daneben lassen sich auch Präsentationen aus anderen Kontexten wunderbar recyceln. Warum nicht mal die Präsentation eines einstündigen Web-Seminars für einen zehnminütigen Vortrag verwenden?
  • Eine elegante Einstiegsvariante ist, den eingereichten Abstract komplett auf die erste Folie der Powerpoint-Präsentation zu bringen und dann zu beginnen: “Well, this is my abstract. If you are interested what my research basically is about.”

Eyetracking-Gipfel in Chicago

Auf der ICA-Jahrestagung in Chicago bestreite ich mit Kollegen aus Bremen, Lund, St. Petersburg und Trier eine Session zum Thema Blickaufzeichnung in der Medienforschung. Titel: “What You See is What You Get? Applying Eye-Tracking Methodology in Visual Communication Research”. Der Abstract zum Panel ist viel versprechend:

“This panel brings the leading international teams in the field of eye-tracking research together to present and discuss their varying approaches, methods, tools as well as research questions and designs. Thus, the panel presents a glimpse into the state of the art of international research on cognitive and affective processes in perceiving visuals. A particular focus will be placed on the perception and the measurement of eye movements while reading the newspaper or perceiving press photographs, concentrating on print and online media.”

Das Programm im Einzelnen:

  • Seeing is Believing? Methodological Considerations and Complications in Combining Eye-Tracking With Other Methods Researching Visuals - Arvid Kappas (Jacobs U - Bremen), Marion G. Mueller (Jacobs U - Bremen), Bettina Olk (Jacobs U Bremen)
  • EyeTracking the News: The Report of EyeTrack 07A Study of Print and Online Reading - David D. Stanton (Poynter Institute, St. Petersburg, Fl.)
  • Myths and Truths About Readers’ Interaction With Complex Visual Documents - Jana Holsanova (Lund University, Sweden), Kenneth Holmqvist (Lund University, Sweden)
  • Audience Research and Multimodality: What Eye Tracking Reveals about Newspaper Reading - Hans-Juergen Bucher (Universität Trier, Germany), Jana Holsanova (Lund University, Sweden)
  • Illuminating Blind Spots in Visual Perception: Combining Gestalt Principles and Eyetracking Patterns to Explain Perception of Online and Printed Media - Peter Schumacher (U of Trier)

Also: Am Samstag ab 15 Uhr im Marriott Chicago, Room Belmont.

“Rezeption als Interaktion” erschienen

Druckfrisch bei Nomos, Edition Reinhard Fischer: Meine Dissertation ist erschienen. Das Werk ist als Band 36 in der Reihe Internet Research herausgekommen, die vom Erfurter Kollegen Patrick Rössler herausgegeben wird.

Titel Rezeption als Interaktion

Der Klappentext verrät am besten, worum es geht:

“Im Online-Journalismus werden Darstellungsmodi wie Text, Foto, Grafik, Video und Audio zu neuen Darstellungsformen wie etwa Audio-Slideshows oder interaktiven Infografiken verbunden. Der Autor untersucht, wie Nutzer mit diesen komplexen Präsentationsformen umgehen. Die empirische Grundlage bildet dabei eine qualitative Rezeptionsstudie mit Blickaufzeichnung, Verbalprotokollen und Befragungen. Aus den Ergebnissen werden grundlegende Prinzipien entwickelt, mit denen sich die Interaktion mit multimodalen, hypertextuellen Darstellungen beschreiben lässt. Ein zentraler Befund ist, dass die Gestaltung in hohem Maße mitbestimmt, wie Nutzer mit den Angeboten umgehen. Für die Praxis werden Grundsätze zur nutzergerechten Umsetzung von Online-Darstellungsformen abgeleitet.”

Zu bestellen beim Verlag oder bei Amazon. Preis: 29 Euro.

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