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Neues Buch: Publizistische Qualität im lokalen Fernsehen

Druckfrisch auf den Tisch: Die Studie zur Qualität im Lokalfernsehen ist jetzt bei Nomos erschienen. Das Buch dokumentiert die Ergebnisse des Forschungsprojekts „Erfolgsfaktoren des lokalen Fernsehens“, das ich zusammen mit den Trierer Kollegen Hans-Jürgen Bucher, Maria Huggenberger und Martin Sauter durchgeführt habe und in der Planung und den ersten Erhebungsphasen begleiten durfte. Die Besonderheit der Studie ist das methodische Vorgehen: Um die Publikumsbewertungen und -erwartungen zu erfassen, wurden Zuschauer in einem Panel mit eigens produzierten und variierten prototypischen Lokalsendungen konfrontiert. Auf diese Weise kommt ein differenziertes Bild der Zuschaueranforderungen zustande, das sowohl inhaltliche wie auch gestalterische Aspekte mit berücksichtigt.

Der Band ist in der Reihe „Angewandte Medienforschung“ erschienen, die von Hans-Bernd Brosius herausgegeben wird. 220 Seiten kosten 29 Euro.

Nicaragua: Journalismus, praktisch

Zwei Wochen in Nicaragua liegen hinter mir: Für die DW-Akademie war ich zu einem Workshop an der Universidad de Managua, einer privaten Universität mit etwa 9000 Studierenden. Gemeinsam mit David Olmos von der DW-Akademie und Professoren aus dem Journalismus-Studiengang haben wir an einem neuen Studienplan gearbeitet, Ideen über Methoden zur Journalismuslehre ausgetauscht und einen Entwurf für ein Zusatzstudium zum Thema Umweltjournalismus gemacht.

Der Journalimus-Studiengang wird dem Plan nach deutlich praxisorientierter, und das schon in den ersten Trimestern. Es gibt Projekte und eine verstärkte Textausbildung, die Zahl der unterschiedlichen Fächer wird etwas reduziert, die Inhalte stärker auf den Journalismus zugeschnitten. Einschränkende Faktoren sind – wie immer – die Ressourcen: Der Studiengang beginnt mit etwa 60 bis 80 Studierenden und fährt einzügig, die Lehrenden sind fast alle Lehrbeauftragte. Den Studiengang gibt es sowohl als reguläres Vollzeitangebot wie auch als Wochenend-Variante. Die Technikausstattung ist für nicarguanische Verhältnisse überdurchschnittlich: Sie lässt immerhin regelmäßige Fernsehproduktionen wie die Schülerquizsendung „Liga del Saber“ zu, die komplett von Journalismus-Studierenden realisiert wird.

Den engagierten Kollegen an den beiden Standorten der UdeM in Managua und León ist zu wünschen, dass sie ihre Pläne und Ideen umsetzen können: Die Signale der Uni-Leitung jedenfalls waren sehr positiv.

Intensiver Austausch: Ein paar Worte für die Drehscheibe

Die aktuelle Ausgabe der „Drehscheibe“ nimmt sich des Themas Wissenschaft an – in vielen Praxisbeispielen wird gezeigt, wie Lokalzeitungen „über Forschung, Campusleben und regionale Innovationen“ berichten. Wie Medienmacher und Kommunikationswissenschaftler zueinander stehen, wie beide mit Innovationen umgehen, dazu befragte die Redaktion Alexander Houben (Volksfreund), Jörg Riebartsch (Darmstädter Echo), Sonja Kretzschmar (Zeppelin University) und mich. Mein Statement – aus FH-Sicht:

Das Innovationstempo ist höher geworden, allerdings sind auch viele Innovationen heute kleiner dimensioniert als ein Zeitungsrelaunch oder eine neue Druckstraße. Gerade bei neuen Ausspielkanälen wie Tablets oder der Nutzung von Social Media gibt es keine Patentlösung – und wahrscheinlich wird es sie auch nie dauerhaft geben.

Wissenschaft kann diese Lösungen auch nicht liefern. Einfache Antworten sind zwar leicht zu geben, werden aber den individuellen Herausforderungen einzelner Medienhäuser nicht gerecht. Allerdings hat die Wissenschaft einen Methodenkoffer, der zum Beispiel mit Befragungen, Fokusgruppen oder Blickaufzeichnung Instrumente enthält, die die Bedürfnissen der Nutzer und ihr tatsächliches Nutzungsverhalten transparent machen können. Damit lassen sich Innovationen sinnvoll begleiten.

Der Austausch mit der Praxis ist an vielen Hochschulen intensiv: Zu uns kommen Lehrbeauftragte und Gastreferenten aus Redaktionen, unsere Studierenden sind in ihren Praktikumsphasen in Redaktionen, die Forschung orientiert sich oft an der Anwendung, vor allem an Fachhochschulen. Unser Anspruch in der Lehre: Die Absolventen sollen wissen, dass Innovationen den Beruf prägen – und möglichst in der Lage sein, sie auch selbst voran zu bringen.

Zahlen, bitte

Was noch nachzutragen ist: Für die Trierer Kollegen von 16vor.de habe ich einen kleinen Text über Bezahlmodelle im Onlinejournalismus geschrieben. Das Angebot ist seit mittlerweile vier Jahren mit gutem Lokaljournalismus im Netz, allerdings ist die finanzielle Grundlage bisher nicht so, dass auch die nächsten vier Jahre gesichert sind. Wie für viele andere Online-Angebote geht es darum, Finanzierungsquellen zu erschließen – mit dem Förderverein 16vorliebe ist ein wichtiger Schritt gemacht, um das Modell „freiwilliges Bezahlen“ auszubauen.

Zeit-Magazin: Was Journalisten anrichten

Das aktuelle Zeit-Magazin ist ein Themenheft zum Journalismus – und geht durchaus kritisch mit der Branche und dem Berufsstand um, wie schon der Titel deutlich macht: „Was wir Journalisten anrichten“. Ein Text befasst sich mit dem Versagen der Finanzberichterstattung in der Krise, ein anderer mit der Berichterstattung über Prominente. In einer Geschichte über Lokalblogs komme ich als Zitatgeber vor. Passend zum Rahmenthema eine kleine Korrektur: Ich bin nicht Vorsitzender von 16vorliebe, sondern 2. Vorsitzender.

Bolivianische Notizen

In der vergangenen Woche war ich für die DW-Akademie in Bolivien: Zunächst zu einem Workshop mit den Leitern von zwölf Kommunikationsstudiengängen, die in der Asociación Boliviana de Carreras de Comunicación Social (ABOCCS) zusammengeschlossen sind, dann zu Besuch bei acht Universitäten in La Paz, Cochabamba und Santa Cruz. Beim Workshop und den Gesprächen, die ich gemeinsam mit Peter Deselaers von der DW-Akademie gemacht habe, ging es um die Gestaltung von Studienplänen und die Integration von journalistischer Praxisausbildung in die Studiengänge. Hintergrund ist, dass viele Universitäten zurzeit daran arbeiten, ihre Studiengänge neu auszurichten. Vor allem die Formulierung von Zielkompetenzen ist dabei ein wichtiger Punkt.

Erfahrungen aus dem Bologna-Prozess sind dabei nur teilweise auf das bolivianische System zu übertragen, eine Reihe von Problemen (und Lösungen) lassen sich aber in beiden Ländern gleichermaßen verorten: Journalistenausbildung unterliegt bestimmten Rahmenbedingungen, vor allem wenn sie praxisorientiert ablaufen soll. Gruppengrößen, Seminarformen, Praxisdozenten und technische Ausstattung sind dabei nur einige der Faktoren, über die in Bolivien ebenso nachgedacht wird wie in Deutschland.

16vor.de sucht 16vorliebende

Jetzt bin ich also Vereinsvorsitzender, nur zweiter, aber immerhin: Der Verein 16VORLIEBE e.V. hat sich die Unterstützung des Trierer Onlinemagazins 16vor.de auf die Fahnen geschrieben. Die Mitgliedsbeiträge sollen die Honorare für die journalistische Arbeit sichern, zumindest einen Teil dazu beitragen.

In der großen und wilden Debatte zur Finanzierung des Journalismus kann man ja leicht die Übersicht verlieren. Eine interessante Entwicklung ist aber, dass eine Reihe von neuen Ideen die klassische Kombi aus Abogebühren und Werbeeinnahmen ablöst oder ergänzt – Flattr, Kachingle, stiftungs- oder spendenfinanzierter Journalismus. Da reiht sich 16VORLIEBE ein: Wer 16vor.de gut und wichtig findet, oder auch liebt, kann über einen monatlichen Mitgliedsbeitrag von 5 Euro (nach oben keine Grenze) Unterstützung leisten.

Ein Versuch ist das, aber einer, der sich gerade für ein seit Jahren journalistisch sorgfältig gemachtes Angebot wie 16vor.de anbietet. Wir hoffen auf viele Mitglieder, die ein Zeichen für guten Lokaljournalismus setzen wollen. Interessenten bitte hier entlang.

Vortrag: Video und Multimedia aus Sicht der Nutzer

Ich sortiere gerade ein paar Forschungsergebnisse zur Wahrnehmung von Video, Infografiken und Multimedia auf Newssites. Am Mittwoch bin ich mit dem Ergebnis dann beim Modellseminar des Lokaljournalistenprogramms der Bundeszentrale für politische Bildung in Augsburg. Thema: “Das Netz ist lokal – Qualitätsjournalismus schafft neue Angebote”. Das Thema knüpft an die Studie „Zeitungen online“ an, bei der ich zusammen mit Steffen Büffel im vergangenen Jahr die Videoangebote deutscher Zeitungswebsites untersucht habe. Außerdem natürlich an all die Fragen zur Nutzerinteraktion mit komplexen Webangeboten, auf die ich in den letzten Jahren Antworten gesucht habe.

Neuer Aufsatz: Blickaufzeichnung mit dynamischen Online-Inhalten

Gerade ist der Sammelband „Das Internet als Forschungsinstrument und -gegenstand in der Kommunikationswissenschaft“ erschienen, darin ein Beitrag von mir zur Blickaufzeichnung mit dynamischen Online-Inhalten, sprich: Videos und Animationen. Darin diskutiere ich einige Schwierigkeiten, die es nach wie vor beim Einsatz von Eyetrackern gibt, wenn die Inhalte am Monitor eben nicht statische Websites sind. Sowohl bei der Aufzeichnung der Daten wie auch bei der Auswertung ergeben sich aus der Dynamik der Inhalte Probleme. Als Lösung schlage ich unter anderem die bedachte Auswahl von flankierenden Methoden vor und die Konzentration auf pragmatische, streng auf die Fragestellung gerichtete Auswertungen – Forschungsökonomie statt Datenwust.

Der Band versammelt vor allem Beiträge, die im vergangenen Jahr auf der Tagung der DGPuK-Fachgruppe Methoden in Mainz vorgestellt wurden. Erschienen ist das Buch im Herbert von Halem Verlag.