Bühnenjubiläum

Heute vor 25 Jahren ist meine erster Zeitungstext gedruckt worden. Gelegenheit, in bisschen in Erinnerungen zu kramen.

Ich war im Oktober 1989 bei einer Infoveranstaltung, es ging um Berufe bei der Zeitung. Und es sprach Peter Stemmler, stellvertretender Chefredakteur des Delmenhorster Kreisblatts, also der Zeitung, die bei uns jeden Tag im Briefkasten lag. Einige waren gekommen, um sich über den Druckerberuf zu informieren – ich war der einzige, der sich für den journalistischen Teil interessierte. Peter Stemmler hatte extra noch mal in irgendeinem Journalismus-Handbuch nachgeschaut, um ein paar kluge Dinge zu sagen. Unter anderem, dass Redakteure zwar eine politische Meinung haben dürften, ihr parteipolitisches Mäntelchen aber bitte sehr an der Garderobe abzugeben hätten, wenn sie in die Redaktion kämen. (Was ich mir unter anderem deshalb gemerkt habe, weil er sich später selbst nicht immer daran gehalten hat, aber das ist eine andere Geschichte.)

Wie das denn so mit einer freien Mitarbeit geht, wollte ich wissen. Einfacher, als ich dachte: Am folgenden Samstag fuhr ich mit Peter Stemmler in seinem beigefarbenen BMW zur Nordwolle, einem ehemaligen Industriegelände. Das damals noch ziemlich neue Fabrikmuseum feierte Museumsfest. Mein erster Termin. Und es konnte ja nicht viel schief gehen, denn notfalls würde eben der Chef den Text schreiben. Ich lief also rum, fragte Leute, sah mir alles an. Zuhause klöppelte ich den Text auf einer elektrischen Schreibmaschine (Typenrad!) zusammen. Am Sonntag Vormittag radelte ich in die Redaktion, den fertigen Text in der Tasche.

Die weiteren Schritte waren analog: Peter Stemmler schrieb den Einstieg und Schluss ein bisschen um und klebte die neue Version auf die Textzettel, die dann an die Texterfassung gingen. Für die Überschrift mussten die Buchstaben händisch gezählt werden, um dann zu sehen, ob das mit der vorgesehen Schriftgröße passt. Seitenlayout war noch Papiersache, das Typomaß wichtigstes Handwerkszeug.

Am Montag war der Text dann Aufmacher auf Seite 1 im Delmenhorster Kreisblatt – das seit langem den Lokalteil als erstes Buch vor dem zugekauften Mantel hatte. Zwar nicht mit Autorennamen, aber immerhin mit meinem Kürzel ps. Von „ps“ erschienen dann in der folgenden Zeit allerlei Texte, Termine zumeist, darunter alles, was das Klischee begehrt: Kleingärtner mit irren Satzungsdiskussionen, Vogelzüchter, Hausfrauenbund. Bei manchen Texten bin ich ganz froh, dass sie nicht im Digitalen verewigt sind. Später machte ich dann sechs Wochen Praktikum in der Redaktion und schrieb auch ein paar eigene Stücke.

Damals gab es 50 Pfennig Zeilenhonorar – da bekommen viele freie Lokalschreiber heute weniger. Fotos machten die beiden festen Fotoredakteure (!). Ich habe damals einiges gelernt, auch dank der Redaktionskollegen, die mir viele hilfreiche Tipps gaben. Um mal ein paar zu nennen: Ilse Wittenburg, Mechthild Voigt, Ulrich Arlt, Michael Korn (der heute Chefredakteur des dk ist). Und vor allem Frank Schümann, der mich ermutigt hat, mit dem Journalismus weiterzumachen. Und Peter Stemmler, der dann später mein Chefredakteur war.

Das Delmenhorster Kreisblatt hat in den letzten 25 Jahren viele Turbulenzen erlebt, Redakteure entlassen, der Verlag ist aus dem Tarif ausgeschert, hat den Mantel selbst produziert, eine zweite Lokalausgabe für das benachbarte Ganderkesee ins Leben gerufen und wieder beerdigt. Und wie üblich in der Branche: Seit Jahren sinkende Auflagen. Vor kurzem wurde dann die Mehrheit des Verlags an die Neue Osnabrücker Zeitung verkauft.

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