Eigene Wege, eigene Kommunikation: Universidad Autónoma Indígena Intercultural

In der vergangenen Woche war ich zu Gast an der Universidad Autónoma Indígena Intercultural (UAIIN) in Popayán, Kolumbien. Die Hochschule wird betrieben vom Consejo Regional Indígena del Cauca (CRIC), der die Mehrheit der indigenen Ethnien in Cauca vertritt. Die Hochschule hat gerade einen neuen Studiengang Comunicación propia intercultural gestartet, der die eigenen Nachwuchs-Kommunikatoren ausbilden soll. Zusammen mit der Kollegin Edilma Prada von Consejo de Redacción konnten wir mit Dozenten und Studenten in der Woche eine Reihe von interessanten Themen diskutieren – und hoffentlich zum Gelingen des Studiengangs einen kleinen Baustein beitragen.

Zunächst stand für zwei Tage eine Minga de pensamiento an. Eine Minga ist eine Art Gemeinschaftsarbeit, zu der die Mitglieder der jeweiligen Gemeinschaft aufgerufen werden. Es kann dabei um Feldarbeit, den gemeinsamen Bau eines Fußballplatzes oder auch die Diskussion aktueller politscher Themen gehen. In einer offenen Runde mit Dozenten, Studenten und anderen Interessierten diskutieren wir vor allem, was die Kommunikationstechnologie für die indigene Kommunikation bedeutet – und wie sich einsetzen lässt, ohne die eigenen Prinzipien zu verletzen. Schnell wurde dabei deutlich, dass der Kommunikationsbegriff hier sehr weit und immer mit Blick auf Kultur und Tradition verwendet wird. Zugleich wird durchaus gesehen, dass etwa das Internet auch viele Stärken hat, die sich für die eigene Kommunikation einsetzen lassen – es ist also keine von außen aufgedrängte Notwendigkeit, sich mit digitaler Kommunikation zu befassen. Im CRIC sind digitale Medien selbstverständliche Mittel der Öffentlichkeitsarbeit. Etwas anders sieht es aus, je weiter man in die einzelnen comunidades kommt. Nicht überall gibt es Netz, viele haben keinen Zugang und entsprechend kaum Kompetenzen im Umgang mit dem Internet. Das ist auch eine der Herausforderungen des Studiengangs – und vielleicht auch als Stärke nutzbar: Heterogenität. Zugleich gibt es mit den radios indígenas auch schon bewährte Modelle, wie Medien für die Gemeinschaften eingesetzt werden können. Viele der Teilnehmer, auch viel der Studenten arbeiten in diesen Sendern, die oft nur über wenige Kilometer ausstrahlen, aber für die lokale Kommunikation eine sehr wichtige Rolle spielen.

Mit den Studenten standen dann zwei Tage Unterricht auf dem Plan. Unser Ausgangspunkt war Journalismus (im westlichen Verständnis), um dann jeweils die Unterschiede und Gemeinsamkeiten mit der indigenen Kommunikation herauszufinden. Die Studenten haben einige interessante Modelle entwickelt, die zeigen, dass der Kontext von Kommunikation hier anders gedacht wird. Zum Beispiel steht immer die Gemeinschaft mit ihren Strukturen im Vordergrund – was die indigenen Autoritäten sagen, das zählt. Der übergeordnete Rahmen hört nicht bei Gesetzen oder Ethik auf, die Kosmovision und die Natur sind ebenfalls zentrale Referenzpunkte. Dabei geht es immer darum, die eigene Kultur, Sprache und Tradition zu erhalten und zu verteidigen. Mit Journalismus in unserem Verständnis hat Medienproduktion in diesem Kontext zunächst wenig zu tun, auch Konzepte von Öffentlichkeitsarbeit greifen nur zum Teil.

Insgesamt eine Woche mit großartigen Lehr- und Lernerfahrungen. Dank an Matthias Kopp von der DW-Akademie für die Koordination des Projekts. Muchas gracias a Nixon Yatacue, coordinador de la carrera en la UAIIN, y a mi colega incansable Edilma Prada.