Ecuador: Tod einer Zeitung

Ein Schlaglicht auf die Situation privatwirtschaftlicher Medien in Ecuador wirft die Schließung der Tageszeitung und Website Hoy, herausgegeben vom Medienhaus Edimpres. In der vergangenen Woche wurde sowohl die verbliebene Wochenend-Printausgabe als auch die Website eingestellt – die letzte Aktualisierung auf der Seite war vor rund 6 Tagen.

Ich war vor drei Wochen zu Besuch in der Redaktion. Schon da war die Lage schwierig. Die tägliche Druckausgabe war seit Ende Juni durch eine wöchentliche Ausgabe ersetzt worden, die allerdings auch nur eine Druckauflage von rund 10.000 Exemplaren hatte. Die wirtschaftliche Lage der Zeitung war schon länger angespannt. Die Redaktion hegte jedoch die vage Hoffnung, mit der Website unter der neuen Marke Hoy digital überleben zu können. Ein neues Layout, angelehnt an die Huffington Post, sollte die Attraktivität des Dienstes steigern.

Hoy galt lange als eine der innovativsten, kritischsten und diskussionsfreudigsten Zeitungen des Landes. Schon bei der Gründung 1982 erschien sie als erste Zeitung Ecuadors komplett in Farbe. Das Layout war ein modern und modular, Infografiken prägten das Blatt. 1993 war sie die erste Zeitung Lateinamerikas im Internet. Journalisten sehen aber vor allem auch eine neue Qualität der politischen Debatte als großes Verdienst der Zeitung: Sie hat früh auf Themen wie die Entwicklung der Demokratie, Kritik an der Regierung, Rechte der Indigenen oder Ökologie gesetzt. Der Regierung Rafael Correa war das Blatt ein Dorn im Auge.

Die Schließung hat nun die staatliche Unternehmensaufsicht verfügt, die bei Unternehmen in allen Branchen eingreift, wenn über einen längeren Zeitraum die Bilanzen nicht stimmen und das Kapital nicht ausreicht. 154 Mitarbeiter verlieren ihre Jobs. Über die Art und Weise der Abwicklung gibt es Streit – der Verlag und die Mitarbeiter fühlen sich überrumpelt und kritisieren das Vorgehen der Aufsichtsbehörde.

Die Zeitung gibt der Regierung die Schuld für den wirtschaftlichen Niedergang. Ein Grund sei das Kommunikationsgesetz, das die Freiheit der Presse eingeschränkt habe (die Folgen diese Gesetzes analysiert Reporter ohne Grenzen hier). Dieses an Merkwürdigkeiten reiche Gesetz war Anfang Juli die Grundlage für eine saftige Geldbuße. Das ohnehin klamme Unternehmen musste 57.800 US-Dollar zahlen, weil es die Druckauflage des jeweiligen Tages nicht auf der Titelseite abdruckte. Der Verlag beklagt außerdem, dass das Unternehmen keine Anzeigen von regierungsnahen Organisationen oder Institutionen bekam und die Druckerei Aufträge etwa für Schulbücher verlor. Präsident Correa wies den Zusammenhang zurück.

Kritiker fragen nun, wie es denn die „öffentliche“ (sprich: staatliche) Zeitung El Telégrafo mit der Transparenz hält. Insgesamt zeigt der Fall erneut, wie sehr unliebsame private Medien unter der Regierung Correa unter Druck geraten. Aber auch einzelne Journalisten werden vom Präsidenten in seiner wöchentlichen Fernsehansprache an den Pranger gestellt. Ein Kollege berichtete mir, dass ihm das bereits drei mal passiert sei –  mit Bild. Er sei daraufhin sogar auf der Straße angepöbelt worden.

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