Archiv für den Monat: August 2014

facultad de comunicación puce quito

Frisch aus der Werkstatt: Plan für neuen Journalismus-Studiengang in Quito

Station 1 meiner Südamerika-Tournee: Quito, Ecuador. In einem dreitägigen Workshop mit Dozenten der Universidad Católica (PUCE) ist das Gerüst für einen neuen Journalismus-Studiengang enstanden. Die carrera geht hervor aus einem ziemlich allgemein gehaltenen Kommunikationsstudiengang, in dem es bisher auch schon einen Journalismus-Schwerpunkt gab (PR und Literatur sind die beiden anderen). Die Probleme: Das erste wirklich auf die Praxis des Journalismus bezogene Seminar findet in diesem Curriculum erst im 5. Semester statt. Stattdessen gibt es viele Kontextfächer, deren Bezug zum Journalismus nicht immer erkennbar ist.

Die Regierung in Ecuador forciert zurzeit die Reform aller Studiengänge; unter anderem soll mehr Praxisnähe eingebaut werden, es gibt Vorgaben über die Anzahl der Fächer und Credits. Bis in einem Jahr soll das alles umgesetzt werden, quasi ein nationales Bologna auf Speed. Was immer man davon halten mag: Es kommt in jedem Fall Bewegung in die Hochschullandschaft.

Die hauptamtlichen Dozenten des Journalismus-Schwerpunkts haben nun einen Entwurf für eine neue Studienstruktur erstellt (und ich ganz viel bunte Moderationskarten beschriftet). Die wichtigsten Neuerungen: Praxisanteile gibt es durchgehend vom 1. bis zum 9. Semester. Vier Veranstaltungen zu „Redacción periodística“ (in Darmstädter Terminologie: Textwerkstätten). Außerdem Praxisprojekte – ab dem 2. Semester. Für jedes Semester ist ein thematischer Schwerpunkt vorgesehen: Lokales, Kultur, Politik, Wirtschaft, Umwelt, Sport, Wissenschaft. Zweiter wichtiger Punkt: Digitale Medien bekommen ein deutlich stärkeres Gewicht. Gleichzeitig bleiben Kontextfächer wie Geschichte oder Literatur erhalten, werden aber stärker auf die Bedürfnisse zukünftiger Journalisten zugeschnitten. Eine Linie befasst sich relativ ausführlich mit empirischer Kommunikationsforschung. Außerdem ist ein halbes Semester als Praxissemester vorgesehen. Ob sich das so realisieren lässt, ist noch zu prüfen.

Insgesamt sind die Vorschläge ein guter Schritt, die Journalistenausbildung an der PUCE auf Fachhochschul-Niveau zu heben. Die nächsten Schritte sind noch etwas unklar: Wie genau die Akkreditierung ablaufen wird, liegt weitgehend im Dunkeln. Außerdem muss der Vorschlag noch durch die Hochschulgremien. Und es steht noch die (staatliche) Anforderung im Raum, dass alle carreras mit gleichem Abschlussziel ein zu mindestens 80 Prozent übereinstimmendes Curriculum haben müssen.

Gracias a todas y todos colegas de la PUCE por su colaboración en este proceso y sobre todo a Oliver Pieper de la Deutsche Welle Akademie, que maneja la asesoría.