Archiv für den Monat: April 2012

Projekt: Journalismus fürs iPad

Im Wintersemester durfte ich – gemeinsam mit der Kollegin Friederike Herrmann – ein Projekt begleiten, in dem unser letzter Diplomjahrgang ein iPad-Magazin entwickelt und produziert hat. Das Ergebnis steht inzwischen im iTunes-Store. Der Titel des Magazins: Ausgespielt. Und mit diesem kleinen Trailer geht es los:

Über die Idee und Entwicklung des Magazin schrieben die Studierenden im begleitenden Blog, dort sind auch die ersten Reaktionen zusammengefasst. Hier auch noch meine paar Cent in der Rückschau – aus der Sicht des Dozenten.

Zunächst die Herausforderungen: Für das Format Tablet-Magazin gibt es zwar inzwischen schon eine ganze Reihe von Beispielen. Anregungen finden sich dabei sowohl im Bereich der Zeitschriften, die für Tablets adapiert werden, aber auch Tageszeitungen mit iPad-Ausgaben können als Vorbilder dienen. Zum Teil setzen die Angebote rein auf Text und Bild und sind damit quasi die 1:1-Übertragung auf ein neues Ausspielgerät. Gelegentlich werden auch Audio und Video integriert, manchmal wird auch mit neuen, interaktiven und spielerischen Formen experimentiert. Insgesamt gibt es aber noch viel Spielraum für Neues – die Nutzungserwartungen der User sind ebenfalls noch nicht eingefahren. Das ist einerseits eine Chance, andererseits natürlich auch ein Risiko, mit Experimenten daneben zu liegen. Wie die Entwicklung im Onlinejournalismus zeigt, erwächst daraus immer mal wieder auch etwas Neues – jüngere Beispiele etwa im Datenjournalismus mit interaktiven, grafischen Aufbereitungen von Informationen.

Um nicht nur am Reißbrett zu arbeiten, ist eine eigene Auseinandersetzung mit den möglichen und bereits existierenden Formaten nötig. In unserem Projekt hatten die Teilnehmer keine eigenen iPads – wir konnten aber ein paar (besser: Paar) für das Seminar anschaffen. Dennoch wäre eine bessere Grundlage aus eigener Auseinandersetzung mit bestehenden Angeboten sicher hilfreich – weniger, um sie zu kopieren, sondern auch, um bewusst eigene Wege zu suchen.

Vor der Produktion stehen dann die technischen Hürden: Wir konnten in einem begleitenden Seminar mit Christoph Görlach alle Teilnehmer grundlegend mit Indesign (und dabei den Folio Producer Tools) bekannt machen. Trotzdem bleibt hier das zum Beispiel aus Fernsehseminaren bekannte Problem: Wir bilden keine Kameraleute oder Cutter aus, sondern Journalisten – das erfordert grundlegendes Verständnis für die Technik und die Produktionsweisen, aber keine Perfektion in der Umsetzung. In unserem Projekt stieg dann eine Gruppe von Studierenden tiefer in Layout und Produktion ein und realisierte die komplette App selbst, handgestrickt quasi. Wie in allen Projektseminaren wählten die Teilnehmer so auch selbst die Schwerpunkte ihrer Arbeit – und damit der Erfahrungen, die sie für ihr persönliches Profil als wichtig erachten. Das scheint mir ein guter Weg zu sein, es führt dazu, dass nach dem Studium nicht alle in jedem Bereich alles gleichermaßen können – was ich auch nicht für ein sinnvolles Ziel erachte. In unserem Fall gab es Teilnehmer, die eher auf die Videoproduktion setzten, andere konzentrierten sich auf Textbeiträge oder erdachten interaktive Formen. Alles schließlich in ein Produkt zu gießen, war nur wegen der inhaltlichen Klammer möglich – aber auch durch die Abstimmung von Arbeitsschritten zwischen allen Beteiligten (was an der einen oder anderen Stelle auch konsequenter umgesetzt werden müsste).

Wie immer bei Projektseminaren, bei denen der Weg von einer groben Themen- und Formatidee bis hin zum fertigen Produkt innerhalb eines Semester zurück gelegt werden muss, nimmt die Suche nach einem Konsens über das Konzept und den Titel eine lange Zeit in Anspruch. Das unterscheidet sich natürlich von der täglichen Produktion in bestehenden festen Strukturen und für ein definiertes Medienangebot, ist aber aus meiner Sicht in einer von Innovationen geprägten Medienlandschaft eine unabdingbare Erfahrung in der Ausbildung. Ganz davon abgesehen, dass es immer auch um Schlüsselqualifikationen wie Teamarbeit und (Selbst-)organisation geht.

Das alles in einem Semester zu realisieren – Konzeptentwicklung, Themenfindung, Recherche, Texten und Layoutentwicklung, Produktion – ist schon sportlich. Aber: Das angestrebte Ergebnis wurde erreicht – und auch der eine oder andere Hänger hat hoffentlich Lerneffekte gebracht. Ich bin ja grundsätzlich der Ansicht, dass auch ein Scheitern in solchen Prozessen sinnvoll sein kann, wenn die richtigen Schlüsse daraus gezogen werden – aber von Scheitern waren wir weit entfernt. Gelernt haben wir trotzdem, hoffe ich.

Was ich bei dem Projekt noch sehe, sind mögliche Anschlüsse: Zum Beispiel wäre nun eine Nutzungsstudie interessant, um das Produkt auch auf Aspekte von Rezeption und Usability zu untersuchen. Außerdem wäre es lohnend, ein Konzept für eine regelmäßige Produktion zu entwickeln: Wie müssten Arbeitsabläufe dann strukturiert sein, welche Erscheinungsweise wäre sinnvoll? Außerdem: Welche Geschäftsmodelle wären denkbar?

Unterm Strich: Hat Spaß gemacht (meistens). Danke an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, besonderer Dank an Christoph Görlach – ein schönes Projekt für den Studiengang.

Vortrag: Journalismus im Internet – Schnell, vielfältig – und gut?

Weil ich für sowas irgendwie zuständig bin, spreche ich am Donnerstag, 10. Mai, bei den Frankfurter Mediengesprächen der Friedrich-Ebert-Stiftung über Onlinejournalismus. Der Ankündigungstext dazu:

Seit mehr als 15 Jahren wird im Netz journalistisch publiziert. Viele Verlage erreichen inzwischen über ihre Webseiten mehr Leser als über die gedruckten Ausgaben ihrer Zeitungen und Zeitschriften. Dabei ist Onlinejournalismus nicht einfach als eine weitere Säule neben den Print-, Hörfunk- und Fernsehjournalismus getreten, sondern mit allen eng verwoben: Im Netz lassen sich Texte und Bilder ebenso publizieren wie Hörbeiträge und Videos.

Neben der Vielfalt der medialen Formen sind auch die hohe Aktualität, die Informationstiefe und der enge Dialog mit den Lesern Stärken des Onlinejournalismus. Zugleich ist die Medienbranche noch auf der Suche nach Geschäftsmodellen, um die Angebote ausreichend zu finanzieren. Das von Tageszeitungen bekannte Modell aus Abo- und Anzeigenerlösen funktioniert nicht in gleicher Weise – und erodiert inzwischen auch bei den gedruckten Zeitungen. Damit stellt sich zugleich die Frage, welche Rahmenbedingungen die Gesellschaft möchte, um die Funktionen des Journalismus für die Demokratie sicherzustellen. In der Diskussion um die öffentlich-rechtlichen Internetangebote treffen dabei die unterschiedlichen Modelle aufeinander: Gebührenfinanzierte Angebote und Dienste aus privatwirtschaftlich organisierten Verlagen.

Die Veranstaltung beginnt um 20 Uhr im Spenerhaus/Dominikanerkloster in Frankfurt. Teilnahme kostet nichts, Anmeldungen bei der FES Hessen, alle Daten hier (bisschen scrollen).