Archiv für den Monat: August 2009

Journalismus in Kolumbien

Wie Journalisten in Kolumbien von Politikern behandelt werden, zeigt uns dieser kleine Lehrfilm: Im orangen Hemd sehen wir Ignacio Gómez, Reporter bei der TV-Nachrichtensendung Noticias Uno (und mein Co-Autor bei „Der Agent und sein Minister“). Für die nicht-spanischsprachigen Zuschauer kurz der Hintergrund: Studierende einer Hochschule sollten für den Wahlkampf von Präsident Alvaro Uribe eingespannt werden. Der Präsident der Hochschule (und Senator) wird handgreiflich, als er sich von Gómez provoziert fühlt. Der wiederum muss sich anhören, er habe „das Gesicht eines Guerilleros“.

Spiegel online schiebt Links nach links

Bemerkenswert am Rebrush von Spiegel online ist die neue Gestaltung der Volltextseiten: Dass der Artikel in die Mitte rückt und zum Artikel gehörende Links nach, nun ja, links, ist mutig, aber kann durchaus funktionieren. Es geht um ein grundlegendes Problem von Newssites: Wie mache ich dem Leser deutlich, welche zusätzlichen Informationen ich zu einem Thema im Angebot habe? Nicht trivial: Wo platziere ich entsprechende Links? Wie kennzeichne ich unterschiedliche Medienformate wie Video oder Bilderstrecken? Wie mache ich deutlich, in welchem Zusammenhang der verlinkte Inhalte zum Haupttext steht – ist es ein Archivtext, ein Hintergrund, ein Kommentar?

Ein schönes Beispiel, wie es nicht funktioniert, ist das neue stern.de: Auf der Homepage ist jedes Top-Thema mit durch die Schriftgröße prominent hervorgehobenen Links versehen. Nicht immer halten diese, was sie versprechen: Oft genug sind es einfach Archivartikel zu einem sich entwickelnden Thema. Diesen Zusammenhang muss sich der Nutzer allerdings erst mühsam erschließen, zum Beispiel über Datumsangaben.

Zur Platzierung: Im alten SpOn wurden die zusätzlichen Links überwiegend in den Volltext platziert – entweder als vertikaler Balken für Fotostrecken oder als Kasten, an dem der Text rechts vorbei lief. Das halte ich bei Printmedien für möglich, bei denen der Leser den ganzen Artikel auf einen Blick sieht. Beim Scrollen und Scannen kann jedoch leicht der Überblick und damit der rote Nutzungsfaden verloren gehen. Insofern ist die Bündelung in einer Spalte konsequent. Die Platzierung am linken Rand bedeutet für den Leser erst mal einen Blicksprung bei jedem Aufruf einer Volltextseite: Auf der Homepage stehen die Teaser linksbündig, auf der Volltextseite muss das Auge erstmal in Richtung Bildschirmmitte springen. Ungewohnt, hat aber auch den Vorteil, dass die linke Spalte gesehen wird.

Die rechte Spalte wird nämlich nicht entsprechend wahrgenommen (und das soll auch der Grund für die Neuplatzierung sein, schreibt onlinejournalimus.de). Warum geht die rechte Spalte unter? Bei vielen Newssites wird sie als Fläche für Werbung, Tools und Eigenpromo genutzt. Aus der Blickaufzeichnungsforschung ist das Phänomen bekannt, dass diese Spalte wenig bis keine Aufmerksamkeit bekommt – ein gelerntes Verhalten, weil dort auch keine relevanten Inhalte erwartet werden, schon gar nicht Ergänzungen zum Haupttext. Auch das wieder ein Unterschied zu Print: In der gedruckten Zeitung gilt in der Tat bei Themenpaketen, dass der Haupttext bzw. die News links stehen, Ergänzungen tendenziell eher rechts, zum Beispiel in Infokästen. [Insofern teile ich die getwitterte Kurzkritik von Norbert Küpper in diesem Punkt nicht.]

Fazit: Die Platzierung in der linken Spalte ist für den Blick ungewohnt, kann aber funktionieren. Wichtig allerdings ist, dass die angebotenen Ergänzungen für den Leser leicht erschließbar sind. Mit automatisch generierten Verknüpfungen ist das nur bedingt möglich. Hier ist redaktionelle Handarbeit nötig.

Eine Bewertung zum neuen Spiegel.de gibts auch beim Designtagebuch.