Archiv für den Monat: Dezember 2008

Nachrichtenwert und Quote

Im aktuellen Medium Magazin – genauer: in der Beilage Journalisten-Werkstatt – erfahre ich, dass es Theoretiker in Zeiten von ReaderScan schwer haben. „Quote schlägt Wissenschaft“ lautet die Überschrift über einem Text, der als entscheidenden Beitrag der Medienwissenschaft zur Frage nach der Themensetzung und -akzeptanz die Nachrichtenwerttheorie nach Joachim Friedrich Staab (eine Dissertation von 1988!) benennt. Um dann zu kritisieren, dass diese Theorie durch die Praxis überholt sei:

„Die Publizistik muss allerdings zur Kenntnis nehmen, dass die wissenschaftlich ermittelte Bedeutsamkeit unwichtiger wird. Mehr und mehr werden die aus Quoten abgeleiteten Vermutungen über Vorlieben des Publikums zum Kriterienkanon, keine Wunder, dass dabei die weichen ‚Human Interest‘-Faktoren im Vordergrund stehen: Gewalt und Tod, Liebe und Sex.“

Puh. Dass mein Fach ein Vermittlungsproblem hat, ist klar. Offenbar kommt selbst bei Autoren von Fachmagazinen nicht wirklich an, was bzw. dass wir forschen und wie es zu interpretieren ist.

Eyetracking mit Newssites

Die Kolleginnen Nora Paul und Laura Ruel vergleichen in dieser Blickaufzeichnungsstudie die Websites der San Jose Mercury News und der Contra Costa Times. Testpersonen waren Leser im Alter von 19 bis 22.

Interessant ist das Testszenario, das auf Leser zielt, die die Zeitung nicht kennen. Die Sessions wurden so anmoderiert:

„You are considering moving to northern California for a job and decide to look at two regional news websites. Look at the sites as if you were sitting in your own room. Go where you want to on the site, stay for as long as you would normally. Let us know when you are done.“

Die Ergebnispräsentation ist leider sehr kursorisch geraten. Das mag damit zusammenhängen, dass die Untersuchung von einer der beiden Zeitungen veranlasst wurde – vielleicht sind die entscheidenden Vergleichsergebnisse daher unter Verschluss.

Es lohnt sich, das ganze im Blick zu behalten – angekündigt sind weitere anwendungsorientierte Studien im Rahmen des Disel-Projekts.