Eyetracking beweist: Kulturverfall!

Wenn das Feuilleton auf Blickaufzeichnung trifft, kommt das heraus. Dass man mit nicht eben taufrischen Eyetracking-Befunden etwa zum F-Shape-Pattern das große Fass des Kulturpessimismus aufmachen kann, war mir als praktizierendem Blickaufzeichner durchaus neu. Und es ist, gelinde gesagt, auch grober Unfug.

5 Gedanken zu „Eyetracking beweist: Kulturverfall!

  1. Peter

    Blickaufzeichnung zeigt, dass Lesen und Scannen von einer Reihe von Faktoren abhängen, unter anderem der jeweiligen Nutzungsmotivation und der konkreten Gestaltung des Textes. Ob und wie diese kontrolliert wurden, ist aus Nielsens Text nicht zu erkennen. Es sieht eher so aus, als habe er mal allgemein über eine ganze Reihe seiner Studien geschaut und diese Schlüsse gezogen (immerhin spricht er von tausenden getesteten Websites). Außerdem: Wie sieht es denn im Vergleich zur Zeitung aus? Leider ist es – auch aus technischen Gründen – mit den gängigen Eyetrackern nicht möglich, so schöne einleuchtende Heatmaps zu produzieren. Was man aber beobachten kann: Auch bei gedruckten Texten scannen die Leser in manchen Phasen. Dass gedruckte Texte grundsätzlich Zeile für Zeile aufmerksam durchgearbeitet werden, ist eine Illusion, der sich Textproduzenten gerne hingeben. Ein Blick aufs eigene Leseverhalten hilft mitunter.

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  2. Björn

    Sagt doch im Prinzip nichts anderes aus, als dass Texte online anders gelesen werden als Texte gedruckt. Soll heißen: sie müssen anders gemacht werden, weil die Nutzer andere Erwartungen haben. Dass man nicht einfach den Schopenhauer online stellen und dann erwarten kann, dass man der Nutzer von vorne bis hinten durchliest und anschließend referiert, liegt wohl nahe. Aber deshalb von Kulturverfall zu sprechen, scheint mir doch etwas hoch gegriffen.

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  3. Peter

    Genau diesen fundamentalen Unterschied zwischen Print und Online möchte ich erst mal bewiesen sehen. Ich tippe ja eher, dass es bei ähnlichen Nutzungsmotivationen bzw. Aufgaben im Testsetting auch zu ähnlichen Scan- oder Lesemustern in beiden Varianten kommen kann.

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  4. Björn

    Sicher, die Tatsache, dass Leser Zeitungsartikeln ebenso scannen wie Onlineartikel spricht ja auch dafür. Ich habe allerdings von den Erwartungen gesprochen, nicht von den reinen Nutzungsmotivationen. Es mag also sein, dass ich bei zwei identischen Texten Print und Online mit einer identischen Aufgabe ähnliche Nutzungsmuster bekommen. Ob deshalb jedoch meine Erwartungen erfüllt wurden, ist eine andere Frage. Rein subjektiv würde ich behaupten, dass Leser online andere Erwartungen haben als offline.

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