Wenn Adenauer Hitler toppt

Ein besonders bizarres Beispiel für die journalistische Unsitte des Google-Einstiegs wollte ich hier noch nachtragen, gefunden im gedruckten Spiegel vom 17. März und verfasst vom “Onlinejournalist des Jahres 2006″:

Gibt man bei google.de „Hitler“ als Suchbegriff ein, bekommt man 584 000 deutschsprachige Einträge angezeigt. Das ist viel weniger als im Falle Konrad Adenauers (3 090 000 Seiten), aber fünfmal mehr als bei Erich von Däniken (117 000 Seiten). Stalin kommt auf 1 270 000 Seiten. Auch Hitlers Beitrag zur Geschichte ist, sachlich betrachtet, eher bescheiden: ein Buch und zwölf Jahre Kanzlerschaft. Däniken hat mehr geschrieben, Adenauer hat länger regiert, und Stalin hat mehr Menschen umbringen lassen. Dennoch hat der Mann aus Braunau in einer wichtigen Kategorie die Nase vorn: Nachhaltigkeit. Tausende Bücher, Filme, Dokumentationen, Doktorarbeiten und Melodramen versuchen, das Phänomen Hitler zu beschreiben, aus dem Kontext der Geschichte zu erklären und analytisch zu durchdringen.

Jochen Wegner, dem das Verdienst zukommt, das Phänomen des Google-Einstiegs ausführlich untersucht zu haben, beschreibt den Vorzug dieses Stilmittel so:

Er erspart dem Autor die Plackerei, ein erstaunliches Detail, eine Leitidee, einen Anlass zu finden, und damit: irgendeinen spannenden ersten Satz.

Über die Aussagekraft von Google-Trefferzahlen ist damit erstmal noch nichts gesagt. Aber: Einfach mal nachgooglen hilft.

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