Archiv für den Monat: April 2008

Audio-visuelle Reportage: Bergbau im Saarland

FAZ.NET liefert mit diesem Stück zum stillstehenden Bergbau im Saarland ein gutes Beispiel dafür, wie eindrucksvoll die Darstellungsform Audio-Slideshow sein kann: Schwarz-weiße Fotos, sparsam eingesetzte Ken-Burns-Effekte und auf der Audio-Schiene die unkommentierten O-Töne Betroffener. Klein, aber fein.

Seltsam nur, dass das Stück lediglich als Fotoreportage angeteasert wird.

In Schweden reden

Nämlich in Lund: An der Uni dort findet am Montag und Dienstag zum dritten Mal der Scandinavian Workshop on Applied Eyetracking statt. Zusammen mit Hans-Jürgen Bucher stelle ich ein paar Befunde aus unserer Eyetracking-Forschung zum Zeitunglesen vor. Titel des Vortrags: „Readers’ interaction with newspapers: Analyzing patterns of attention on tabloid and broadsheet papers.“

Das schöne an der Tagung ist, dass sie einen guten Überblick über die Anwendung von Blickaufzeichnung in unterschiedlichsten Gebieten gibt – zum Beispiel zum „Decision making in the supermarket“.

Journalistische Hyperventilation

… ist es vermutlich, was FAZ.NET derzeit zum Thema „Bertelsmann druckt Wikipedia“ antreibt.

Jörg Thomann schrieb gestern: „Weniger Wissen mit Wikipedia“
Marco Dettweiler schrieb ebenfalls gestern: „Lasst die Links im Internet!“

Heute wird das Ganze zu einem Pro/Contra aufbereitet.

Dafür schreibt Marco Dettweiler: „Lasst Wikipedia dort, wo es hingehört!“.
Dagegen schreibt Nadine Bös: „Die Aufregung ist übertrieben“

Und wenn es jetzt noch etwas für die Leser dazu zu sagen gibt, dann hier im Forum.

Polylux glaubt an die Speed-Diät

Die einzigen Hunde, die ich mag, sind Grubenhunde. Ein besonders schönes Exemplar gab es offenbar gestern bei Polylux zu bestaunen.

Es ist übrigens ein Grubenhund mit Mission:

Unser Angriff auf den boulevard-medialen Komplex soll unsere grundlegende Opposition ausdrücken gegen Praktikantenausbeutung und schlechtes Fernsehprogramm; unsere Solidarität gilt all denen, die sich weltweit wehren gegen Staat, Kapital und die ganze andere Kacke.

(via)

Nachtrag, 12.20 Uhr: Polylux hat den Beitrag aus dem eigenen Internetangebot genommen und offenbar auch aus Youtube entfernen lassen. Dafür ist das „Bekennervideo“ noch auf der Polylux-Seite und in den Kommentaren eine Stellungnahme der Redaktion:

Wie es aussieht, hat sich ein falscher Protagonist das Vertrauen der Redaktion erschlichen. Wir sind derzeit dabei, die Vorwürfe zu prüfen. Bitte habt Verständnis, dass wir erst Klarheit haben müssen, bevor wir den Beitrag weiter verbreiten. Denn falls die Vorwürfe stimmen, wollen wir dem falschen Protagonisten nicht weiter ein Forum geben.

So kann man das natürlich auch sehen.

Wenn Adenauer Hitler toppt

Ein besonders bizarres Beispiel für die journalistische Unsitte des Google-Einstiegs wollte ich hier noch nachtragen, gefunden im gedruckten Spiegel vom 17. März und verfasst vom “Onlinejournalist des Jahres 2006″:

Gibt man bei google.de „Hitler“ als Suchbegriff ein, bekommt man 584 000 deutschsprachige Einträge angezeigt. Das ist viel weniger als im Falle Konrad Adenauers (3 090 000 Seiten), aber fünfmal mehr als bei Erich von Däniken (117 000 Seiten). Stalin kommt auf 1 270 000 Seiten. Auch Hitlers Beitrag zur Geschichte ist, sachlich betrachtet, eher bescheiden: ein Buch und zwölf Jahre Kanzlerschaft. Däniken hat mehr geschrieben, Adenauer hat länger regiert, und Stalin hat mehr Menschen umbringen lassen. Dennoch hat der Mann aus Braunau in einer wichtigen Kategorie die Nase vorn: Nachhaltigkeit. Tausende Bücher, Filme, Dokumentationen, Doktorarbeiten und Melodramen versuchen, das Phänomen Hitler zu beschreiben, aus dem Kontext der Geschichte zu erklären und analytisch zu durchdringen.

Jochen Wegner, dem das Verdienst zukommt, das Phänomen des Google-Einstiegs ausführlich untersucht zu haben, beschreibt den Vorzug dieses Stilmittel so:

Er erspart dem Autor die Plackerei, ein erstaunliches Detail, eine Leitidee, einen Anlass zu finden, und damit: irgendeinen spannenden ersten Satz.

Über die Aussagekraft von Google-Trefferzahlen ist damit erstmal noch nichts gesagt. Aber: Einfach mal nachgooglen hilft.

Hysterie der Medien

Christian Stöcker, Redakteur bei Spiegel online, schreibt in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Publizistik“ ein Stück mit dem Titel „Virtuelle Räume und reale Erregungszyklen. Die Hysterie der Medien um ‚Second Life‘ und was wirklich dran ist an dreidimensionalen Web-Welten“.

Mit den Erregungszyklen und der Medienhysterie um SL jedenfalls kennt sich der Autor gut aus. Ok, nennen wir es mal teilnehmende Beobachtung.