Lesezimmer

Ein neues, interessantes Angebot bringt die FAZ an den Start: Im „Reading Room“ werden die Folgen der aktuellen Fortsetzungsromane vorgelesen – anzuschauen als Video oder als mp3-Download. Experten dürfen kommentieren, Leser dürfen zu einer täglichen Leitfrage Stellung nehmen. Eine interaktive Zeitleiste zur Handlung ergänzt das Angebot. So weit, so schick: Ein guter Versuch, die Kompetenz im Bereich Literatur auf das Internet zu übertragen und mit dem Print zu verzahnen. Nutzt sehr schön den auch nicht mehr ganz neuen Trend zum Hörbuch, funktioniert gut als Archiv, wenn jemand nicht täglich in der Zeitung den Roman mit verfolgt.

Genug gelobt. Ein paar kritische Anmerkungen:

  • Ich bin skeptisch, was Quantität und Qualität der Nutzerbeteiligung betrifft. Diskussionen anhand von einzelnen Romanfolgen in Gang zu bringen, wird – so vermute ich – nur bei wirklich kontroversen Themen gelingen bzw. bei solchen, wo der extremistische Webpöbel sich wichtig tun will.
  • Die Umsetzung erfolgt offenbar nicht im üblichen CMS der FAZ, das für seine überlangen URLs berüchtigt ist, die man dreimal um den Screen wickeln muss, damit sie nicht wie Luftschlangen in der Gegend rumhängen. Jetzt also kurze, sprechende URLs. Funktioniert die Anbindung an das zentrale CMS über eine smarte Schnittstelle? Oder muss jemand die Schaufel in die Hand nehmen, um Texte umzuheben? Derzeit finden sich die Texte des Reading Rooms nicht alle über die Volltextsuche.
  • Die Steuerungsmöglichkeiten im Angebot (Steuerung des Videos, Scrollen in der Zeitleiste) sind stylish, haben aber Mängel in der Benutzbarkeit. Nicht alles, was gut aussieht, funktioniert auch gut.
  • „Reading Room“? Darf es zurzeit mal wieder englisch sein? Ok, Lesezimmer wäre auch blöd gewesen.
  • Wann gibt’s die Folgen als Podcast im iTunes-Store?

3 Gedanken zu „Lesezimmer

  1. Peter

    @Lisa: Der Hinweis ist ok. Nur ein Tipp noch: Über die IP-Adresse lässt sich manchmal sehen, woher gepostet wird (auch, wenn man eine Freemail-Adresse angibt). In diesem Fall also aus der Hellerhofstraße, nicht wahr?

    Antworten
  2. Pingback: peter-schumacher.net » Lesesaal

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.