Archiv für den Monat: November 2007

Überfluss. Vortrag

Der letzte Termin meiner kleinen Vortrags- und Seminartournee in den letzten Wochen (mit Stationen in Wien, Augsburg, Barcelona und Hamm) ist ein Heimspiel: Am Freitag und Samstag lädt das Internationale Graduiertenzentrum der Uni Trier zu einer Tagung mit dem Titel „Verausgaben. Sprechen vom/im Überfluss„. Die Konferenz versammelt Vorträge aus unterschiedlichen geisteswissenschaftlichen Disziplinen. In zwei Themenblöcken geht es um Medien. Am Freitag spricht unter anderem der Kollege Steffen Büffel über kommunikativen Überfluss im Web 2.0. Das komplette Programm gibt es hier.

Mein Vortrag zur Rezeption von multimodalen Darstellungsformen im Onlinejournalismus ist am Samstag um 9 Uhr. Morgens.

FAZ.NET in neuem Gewand: Starker Auftritt

FAZ.NET hat einen Relaunch hingelegt, der sich sehen lassen kann: Aufgeräumt, luftig, übersichtlich. Insgesamt: Ein großer Schritt in die richtige Richtung. Ein paar Punkte:

  • Die Homepage ist jetzt im Contentbereich einspaltig organisiert und damit deutlich besser scannbar für den Leser.
  • Die Schrift ist größer, damit besser lesbar.
  • In den Volltexten sind die weiteren Links zum Thema sauber eingeblockt, stehen nicht mehr daneben – was für Zuordnungsprobleme sorgen konnte. Jetzt funktioniert es, vorausgesetzt, der Text wird nicht mit Einblockern überladen und das Lesen zum Slalomparcours (wie oft bei Spiegel online).
  • Die Gesamtanmutung passt sehr gut zur Printausgabe.
  • Die Personalisierungsfunktionen sind so umgesetzt, dass sie für einigermaßen geübte Internetnutzer sicher leicht und intuitiv nutzbar sind. Ich tippe allerdings, dass lediglich eine Minderheit sie verwendet – da sie allerdings dezent präsentiert werden, stört es auch die anderen nicht.

Aber Kritik muss auch sein:

  • Auf den Volltextseiten sind die Zeilen zu breit. Gerade am Bildschirm ist es schwierig, dann bei schnellem Lesen immer die richtige Anschlusszeile zu finden.
  • Auf der Homepage hätten die Top-Teaser noch um die wichtigsten Links ergänzt werden können – zumindest, wenn es sich um wirkliche Themenpakete handelt. Damit wird dem Leser wirkungsvoll signalisiert, dass ihn dort mehr erwartet als nur ein Text und ein Direkteinstieg in die interessierenden Aspekte wäre möglich. Ein Label wie „Spezial“ wirkt jetzt im aufgeräumten Layout durchaus, jedoch kann man nur ahnen, dass etwas mehr geboten wird. Was, weiß man nicht. [Edit am 18. November: Die Redakteure können doch Links zu den Top-Teasern platzieren. War gestern nur noch nicht der Fall.]
  • Weil jetzt auf der Homepage in den Ressorts nur noch ein Thema als Teaser, die anderen nur als Headline angeboten werden, kommt es darauf an, diese Orientierungstexte sehr sauber und aussagekräftig zu formulieren. Bisher nicht immer eine Stärke der FAZ.
  • Die unter den Aufmachern platzierte Special-Leiste, durch die man sich durchblättern kann, könnte um einen Hinweis ergänzt werden, wieviele Angebote es denn insgesamt sind. Das Problem ist auch bei allen anderen „Blätter“-Funktionen im Auftritt gegeben: Wenn ich nicht weiß, wieviel noch kommt und wo mein Standort ist, fehlen mir wichtige Orientierungsmarken für die Navigation.
  • Das Serviceangebot unten rechts wird über Symbole angeboten. Diese Sammlung wäre übersichtlicher, wenn sie nach Kategorien geteilt wäre.
  • Und: Welche Funktion hat die animierte Uhr bei der ersten Tickermeldung?

Fazit: Mit dem neuen Auftritt steht die FAZ unter den überregionalen Tageszeitungen ganz vorne und lässt vor allem den Kramladen sueddeutsche.de ziemlich alt aussehen. An ein paar Stellen lässt sich noch korrigieren. Und unter den ersten Leserkommentaren sind auch wirklich mehrere positive – anders als vor ein paar Wochen beim Print-„Relaunch“.

Vortrag in Barcelona: Eyetracking Newsdesign

Eine weitere gute Gelegenheit, unsere Forschungsergebnisse zu Zeitungsdesign und Zeitunglesen vor Layoutern, Designern und Infografikern vorzustellen: Auf dem Kongress ÑH04 der Society for Newsdesign Capítulo Español (SND-E) vom 21. bis 23. November in Barcelona werde ich einen Vortrag zu den Ergebnissen der Tabloid-Broadsheet-Studie halten.

Eingeladen ist auch die Kollegin Laura Ruel von der University of North Carolina, die an der 2004 veröffentlichten Eyetrack III-Studie des Poynter-Instituts mitgearbeitet hat, in der Onlinezeitungen untersucht wurden. Es gibt also einen kleinen Eyetracking-Schwerpunkt auf der Tagung: Ein Beleg dafür, dass die Ergebnisse von Blickaufzeichnungsstudien von Medienmacher stark nachgefragt sind.

Den Kongress in Barcelona richtet die SND-E zusammen mit der Zeitung La Vanguardia aus. Das vollständige Programm gibt es hier (pdf).

Urquell Zeitung

„Fast alles, was im Netz auf Dauer ernst genommen wird, hat seine Urquelle in der Zeitung.“ FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher hat mit Einschätzungen wie dieser eine interessante Debatte über das Verhältnis von gedruckter Zeitung und Onlinemedien angestoßen: Auslöser war seine Rede zur Verleihung des Jacob-Grimm-Preises, von der es interessanterweise im Netz zwei Versionen gibt – einmal in der SZ, zum anderen im hauseigenen Onlineangebot faz.net.

Die bewährte Fachkraft Robin Meyer-Lucht hat die nachfolgende Debatte für den Perlentaucher und Spiegel online sehr fein beobachtet und bewertet, deshalb spare ich mir meine 5 Cent dazu.

Flash!

Holtzbrincks Videoplattform Watchberlin.de hat einen Relaunch hingelegt, das es nur so blinkt und blitzt. Don Alphonso bekommt Augenkrebs. Felix Schwenzel, der ja immerhin Filmchen für das Portal liefert, findet die Flash-Orgie „enorm eigenartig“. Wenn man jemals Menschen mit mit einem Eyetracker vor derartig Flash-animierten Seiten hat sitzen sehen, dann kann man beides nur unterstreichen. Dass dabei selbstverständliche Standards wie etwa eine Restzeitanzeige unter den Tisch fallen – nicht erstaunlich. Fazit: Äußerst kreative Leistung von Aperto (wie übrigens auch die Lücke in der Pressemitteilung). Eine Hölle für die Nutzer.

Tabloid-Broadsheet-Studie in den Media Perspektiven

In der aktuellen Ausgabe der Media Perspektiven ist ein Aufsatz von Hans-Jürgen Bucher und mir zur Rezeption von Tabloid- und Broadsheet-Zeitungen erschienen. Grundlage sind die Daten aus unserer Formatstudie, bei der wir mit Blickaufzeichnung und Lautem Denken erhoben haben, wie Leser mit unterschiedlich gestalteten Zeitungen interagieren.

Den vollständigen Text (inklusive einiger leicht verzerrter Grafiken) gibt es hier als pdf.

Lokales Outsourcing

Die taz schreibt über die Strategien von Lokalzeitungsverlegern, ihre Lokalredaktionen loszuwerden. Fallbeispiele sind der Delmenhorster Kurier und das Delmenhorster Kreisblatt. Für beide habe ich mal geschrieben, damals. Jetzt wäre es mal an der Zeit, eine Studie dazu zu machen, ob und wie die Leser ihre Zeitungen nach dem Outsourcing wahrnehmen, ob die „gefühlte“ Qualität der Zeitung abgenommen hat. Auf nach Delmenhorst!

PR kann po einfach sein

Wer die Aufmerksamkeitsökonomie kennt, die die Arbeit von Onlineredaktionen prägt, braucht nicht viel Fantasie, um ein schönes PR-Event zu inszenieren, über das ausführlich in Bild und Wort, nun ja, berichtet wird. Geht ganz einfach, kostet nicht viel. Das Beispiel heute: Die Po-WM in München. Das sind ein paar der Clippings, die sich die PR-Abteilung von Triumph einrahmen und an die Wand hängen darf:

  • Spiegel online berichtet in Wort und Video,
  • stern.de ist mit einer Bilderstrecke dabei,
  • sueddeutsche.de gibt der Fotoserie mit einem Griff zum Zitatenlexikon einen besonderen Anspruch,
  • bild.de hat natürlich auch Fotos im Angebot,
  • rp-online.de bringt Text und eine Fotostrecke,
  • der Bayerische Rundfunk stellt einen Abendschau-Bericht online,
  • focus.de ist mit Text, Video und Bilderstrecke am Start,
  • zeit.de übernimmt einen Artikel aus tagesspiegel.de.

Neuer Auftritt für die Uni

Seit heute ist die neue Website der Uni Trier online. Es knarzt und rumpelt noch an manchen Stellen, aber insgesamt ist der Auftritt doch deutlich besser als der alte. Apropos: Ein bisschen Wehmut ist auch dabei – die alte Website, die schon vor fünf Jahren überholt war, hat mir in vielen Seminaren gute Dienste geleistet: Als schlechtes Beispiel in Sachen Informationsarchitektur, Gestaltung und Usability. Aber hier gibt es sie ja noch.