Banner Blindness reloaded

Jakob Nielsen tut sich in seiner aktuellen Kolumne Alertbox lesbar schwer damit, ein paar bittere, wenn auch nicht überraschende oder gar neue Wahrheiten über die Aufmerksamkeit für Online-Anzeigen zu benennen: Gefakte Dialogboxen und Anzeigen, die wie redaktioneller Content aussehen, finden Beachtung. Ansonsten regiert finstere Banner Blindness. Soweit, so plausibel.

Der Usability-Meister druckst arg rum, denn er fürchtet: Jetzt wird die werbetreibende Industrie versuchen, möglichst „unethische“ Anzeigenformate unterzubringen – und sich dabei auf ihn berufen. Wird sie? Die viel wichtigere Frage ist doch, ob solche irreführende Werbung die Kunden nicht eher verärgert – genau wie Pop-ups und ähnliche Nerv-Formate. Ich schätze, es ist wie bei den „Sie-haben-gewonnen“-Bannern: Ein paar Doofe klicken immer. Aber für seriöse Firmen sollte da kein Bedarf sein – und damit meine ich Anzeigenkunden und Werbemedium gleichermaßen. Es fehlt eine umfassende Studie zu dem Thema, die auch mit einigen Lebenslügen der werbetreibenden Industrie aufräumen könnte.

Dabei kann Eye-Tracking ein probates Mittel sein, aber nicht das einzige. Denn erstmal muss geklärt sein, unter welchen Bedingungen bei wem was kognitiv passiert, wenn der Blick auf der Anzeige ist. Sonst ist die Perspektive ebenso verkürzt, wie es bei Recall- und Recognition-Tests häufig der Fall ist.

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