52,3 Millionen Goggle-Treffer!

Mir fällt gerade die Ausgabe 5/07 der Verdi-Zeitschrift „M – Menschen machen Medien“ in die Hände. Gerne lasse ich mir in der Titelgeschichte „Die multimediale Welt“ erklären. Ein klassischer Google-Einstieg, dann wird auch schon munter drauf los ramentert: Alles in einen Topf, eine kräftige Prise Kulturpessimismus, umrühren, wird schon schmecken. Etwa so:

Unter den mindestens 20.000 Euro teuren Firmenfilialen in Second Life sind etliche deutsche Medienkonzerne: Spiegel Online wirbt für sich mit seinem Avatar Sponto, der Axel Springer Verlag bietet mit AvaStar eine virtuelle Boulevard-Wochzeitung zum Kauf, „Vanity Fair“ hat einen Zeitungskiosk, die Radioholding Regiocast baut an einem „Radio der nächsten Generation“ und der Berliner Rocksender starfm hat zwei deutsche Avatare in seinem virtuellen Studio verheiratet. Beate.Uhse.tv ist auch schon da, uprom.tv aus München ist mit Videoschnipseln auf Sendung und der Berliner Sender LIFA-4-U übertrug im April ein Live-Konzert der Band Juli aus der realen in diese geklonte Welt. Der WDR führte in einem ausgebuchten Kino dieser Kunstwelt seine Sendung „echt böhmermann“ aus seinem Dritten Fernsehprogramm auf und selbst Sabine Christiansen will als gleichnamiger Avatar mit ihrer neuen CNBC-Sendung „Global Players“ im zweiten Leben durchstarten.
Genau der Riesen-Hype um Second Life (52,3 Millionen Goggle-Treffer!) zeigt wie kaum eine andere neue Internet-­Anwendung die Gefahren des Web 2.0: Der Realitätsflucht in eine digital-virtuelle Scheinwelt halten Kritiker zu Recht den Slogan „First live in first life“ entgegen.

Wenn Journalisten aus ihren Gewerkschaftsblättern eine solche Sicht auf das Web bekommen, wundert mich nichts mehr.

Ein Gedanke zu „52,3 Millionen Goggle-Treffer!

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