Retardierendes Element in der Medienevolution

Ich male mir gerne die Gesichter der Verlagsmanager in Hamburg und München aus, als ihnen dieses bzw. jenes als Projekt präsentiert wurde. Die Gesichter derjenigen also, die sich tagein, tagaus mit Papierpreisen, Druck- und Vertriebskosten für ihre Zeitschriften rumärgern müssen, während in diesem Internet da draußen auf einmal jeder machen kann, was er will.

Dann kommt jemand, der ihre Zeitschrift, so perfekt wie sie ist, ins Internet bringt. Und noch besser machen will: Mit Multimedia, Video, Audio, Links und allem. Ich stelle mir diese Manager in dem Moment als glückliche Menschen vor.

Wer jemals normale Nutzer mit dem Internet, gar Multimedia, hat interagieren sehen, weiß, dass diese Angebote ein schöner Schein sind (und wohl auch schöne Scheine kosten). Kurz gesagt: Unbenutzbar. Usability: Null Punkte.

Darüber hinaus ist der Multimedia-Einsatz sinnlos bis fragwürdig:

  • Die großzügigen Rauchwolken, die der Stern im livejournal auf Seite 8 über das Foto mit dem Attentatsfahrzeug in Glasgow schickt, sind eine journalistisch unzulässige Bildmanipulation.
  • Die Restaurant-Atmo zur Lebensart-Story auf Seite 14 erfüllt keinen erkennbaren Zweck.
  • Auf Seite 16 erscheint ein Filmchen, das nicht gekennzeichnete Werbung ist.

Internet geht anders, das haben auch andere Anhänger der alten Form schmerzhaft lernen müssen.

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