Kabarett, öffentlich-rechtlich

Der „Scheibenwischer“ war mal ein Kabarettformat mit Empörungspotenzial. Ja, ja, der Bayerische Rundfunk hat sich mal aus der ARD-weiten Ausstrahlung ausgeklinkt. Das ist lange her. Seit Dieter Hildebrandt die Sendung 2003 verlassen hat, ist gefälliges Aufsagekabarett angesagt.

Hildebrandts Nachfolger Bruno Jonas war noch nie lustig, wenn er seine verschwurbelten Was-wäre-wenn-Nummern brachte. Unterhaltungswert hat er eigentlich nur, weil man sich fragt, wann er den nächsten Texthänger hat und wie er aus dem Loch dann wieder rauskommt. In der letzten Sendung sponn er sich etwas über eine taz-Karikatur zusammen, die den Zorn der polnischen Kaczynski-Brüder auf sich gezogen habe. Falsch, es war ein Text. Sollte man wissen, wenn man in Sachen politischem Humor so prominent unterwegs ist.

Kollege Richard Rogler langweilt seit Jahrzehnten in seiner Paraderolle als sozialdemokratischer Klischeepolitiker. Einzig Mathias Richling gibt sich noch Mühe: Mit der von ihm entwickelten Form der überdrehten Politikerparodie trifft er sogar oft einen tieferen Kern als es Stimmimitatoren wie etwa der unsägliche Rainer Kröhnert jemals vermögen. Trotzdem: Insgesamt bleibt der „Scheibenwischer“ harmlos.

Um so erstaunlicher, dass das ZDF nach jahrzehntelanger Kabarett-Abstinenz aus dem Stand eine Sendung hingestellt hat, die wirklich sehenswert, witzig und ein bisschen böse ist: „Neues aus der Anstalt“ lief bisher in sechs Folgen, die alle in der ZDF-Mediathek abrufbar sind. Einer der Protagonisten ist ausgerechnet Georg Schramm, der bis vor einem Jahr zum festen Ensemble des „Scheibenwischers“ gehörte und dort nach Zwistigkeiten über die Ausrichtung der Sendung ging. Eine gute Entscheidung, denn jetzt kann er sein ganzes Potenzial zeigen und ist nicht nur auf die Rolle als Rentner Dombrowski festgelegt (die allerdings wirklich großartig ist). Zweiter Spielleiter ist Urban Priol, der mit der Steckdosenfrisur. Gäste wie Hagen Rether, Josef Hader, Frank-Markus Barwasser, Jürgen Becker, Piet Klocke oder Alfred Dorfer ergänzen das Programm zumeist aufs Feinste. Selbst so peinliche Nullnummern wie der Kabarett-Ossi vom Dienst, Uwe Steimle, können da kaum Schaden anrichten.

Dass das Ganze den Mitspielenden Spaß macht, merkt sogar der Zuschauer. Das ist bei den abgehangenen Berufsspöttern Bruno Jonas oder Richard Rogler schon lange nicht mehr der Fall.

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