Preview zur Tabloid-Studie

Eine Preview zu unserer Studie zu Tabloid- und Broadsheetzeitungen bietet dieses Interview im Ifra-Magazin zeitungstechnik. Hans-Jürgen Bucher gibt darin einen ersten Einblick in einige unserer Ergebnisse dazu, wie Zeitungsleser tatsächlich lesen. Ein Auszug:

Im Unterschied zu den bisherigen Annahmen über das Zeitungslesen sind wir zu der vielleicht wichtigsten Einsicht gelangt, dass die Zeitungslektüre einem Zonenprinzip folgt. Das heißt, die Leser erschließen sich die Seite nicht entlang von Einzelelementen, sie springen nicht von einem Einzelelement zum andern. Vielmehr wird die Zeitungsseite grob in Rezeptionszonen zerlegt und die Leser bewegen sich zunächst innerhalb der einzelnen Zonen, erschließen sich eine Zone und wechseln dann in eine andere. Natürlich können sie in eine Zone auch wieder zurückkehren. Dieses Zonenprinzip halten wir für eine ganz neue Einsicht. Neben diesem Zonenprinzip gibt es noch das Nachbarschaftsprinzip, d.h. wenn ich bei einem Element bin, das mich besonders interessiert, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ich ein anderes Element, das daneben liegt, ebenfalls wahrnehme. Eine Anzeige beispielsweise, die in einem attraktiven redaktionellen Umfeld steht, wird eher wahrgenommen als eine Anzeige, die in einem unattraktiven Umfeld steht.

Als Leser habe ich ja nur begrenzte Zeit und es interessiert mich nicht alles. Von daher ist es logisch, dass sich Leser einen ökonomischen, zeitsparenden Weg für die Seitenerschließung zurechtlegen; wir sprechen von der so genannten „Aufmerksamkeitsökonomie“. Das deckt sich auch ziemlich gut mit dem, was die Wahrnehmungspsychologie herausgefunden hat, nämlich dass wir in allem, was wir sehen, eine Gestalt zu erkennen versuchen. Eine Zeitung, der es gelingt, sich als geordnete Gestalt zu präsentieren, gilt auch als leserfreundlich. Insofern liefern unsere Befunde den empirischen Nachweis, dass der modulare Blockumbruch tatsächlich eine sinnvolle Vorgehensweise ist, da er dazu dient, solche Zonen zu schaffen.

Der vollständige Bericht zu unserer Eyetrack-Studie erscheint in Kürze bei der Ifra in der Reihe „Special Reports“.

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