Archiv für den Monat: Mai 2007

Frisco

Am Pfingstsonntag werde ich auf der ICA-Jahrestagung in San Francisco einen Vortrag halten, dem ich den Titel „Size Matters: Comparing the Reception of Design and Visual Language of Newspapers in Tabloid and Broadsheet Format“ gegeben habe. Darin geht es um einige Ergebnisse unserer Rezeptionsstudie zu Tabloid- und Broadsheet-Zeitungen.

Die Session, in der der Vortrag platziert ist, greift aus mir nicht erfindlichen Gründen das „Size Matters“ auf und heißt vollständig: Size Matters: Current Approaches to the Study of Photography and Visual Design.

Die weiteren Beiträge in dem Panel:
Tsunami Images: Cultural Representations of Photography in Newspaper Coverage von Daniel H Kim (North Carolina State U)

Vulnerable Woman, Raging Bull, or Mannish Maniac? Gender Differences in the Visualization of Political Scandals von Åsa Kroon (Örebro U) und Mats Erik Ekstrom (Orebro U)

What’s Behind the Spectacle? An Update on the Overlooked: Stock Photography and the Visual Content Industry von Paul Frosh (Hebrew U)

Together in the Scrum: Practicing News Photography for Television, Print, and Broadband von Mary Angela Bock (U of Pennsylvania)

[Abstracts zu den Vorträgen gibt es auf der ICA-Paper-Site – man muss sich allerdings registrieren.]

Wie unschwer zu erkennen ist, befinde ich mich mit meinem Thema im Umfeld der Visual Studies, einer der thematischen Sektionen der ICA.

Also, am Sonntag von 16.30 bis 17.45 Uhr im Hilton, San Francisco. Wir sehen uns.

Deutsche Gesellschaft zur Rettung der Druckmedien

Die ehrenwerte Wissenschaftsgesellschaft DGPuK tagt zurzeit in Bamberg. Am Vormittag erzählt Wikipedia-Gründer Jimmy Wales von den Vorteilen frei und online verfügbaren Wissens. Abends entscheidet sich die Mitgliederversammlung dagegen, ein frei verfügbares Onlinejournal zu gründen. Stattdessen sollen die beiden Fachzeitschriften Publizistik und Medien & Kommunikationswissenschaft (Papieredition) dadurch gerettet werden, dass alle Mitglieder über deutlich höhere Mitgliedsbeiträge ein Zwangsabo bekommen.

Drumherum wird noch ein bisschen gejammert, dass die deutsche Forschung nicht international wahrgenommen wird. Ob da nicht ein gedrucktes Jahrbuch abhelfen könnte, das die besten Beiträge in Englisch rausbringt? Finanziert sich auch nur über ein Zwangsabo für die Mitglieder, klar.

Outsourcing und Tarifflucht: Was merken Zeitungsleser?

Ein Text von epd medien beschreibt sehr schön und ausführlich, wie die Realität in vielen deutschen Zeitungsverlagen aussieht. Das Fazit kann eigentlich nur lauten: Die Verleger der Münsterschen Zeitung waren bloß ungeschickt. Sehr viel mehr Zeitungen haben radikale Einschnitte wie Outsourcing, Tarifflucht und reihenweise Kündigungen schon hinter sich gebracht, ohne dass das bis in die überregionale Presse vordrang oder das lokale Zeitungspublikum erreichte. Das Ergebnis ist jedoch ähnlich wie in Münster. Auf wieviel Arbeitsgerichtsprozesse haben es deutsche Zeitungsverlage in den letzten fünf Jahren ankommen lassen?

Was mal eine schöne Studie wert wäre: Inwieweit nehmen Zeitungsabonnenten die Auswirkungen am Produkt wahr, die mit solchen Einschnitten einhergehen? Gar nicht? Schleichend? Nur, wenn man zufällig jemanden aus der Redaktion privat gut kennt und damit um die Hintergründe weiß? Meine Annahme ist, dass der Zeitungsabo-Markt so träge funktioniert, dass eine Änderung der journalistischen Qualität keine messbaren Effekte hat. Kurz- bis mittelfristig. Aber der Sensenmann kommt.

Zu viel ‚Eye Candy‘ für die Nutzer

Weil sie so schön sind, hier ein paar Sätze aus dem Statement, mit dem die Nominierungsjury für den Online-Grimme ihre Auswahl begleitet:

Als wenig zielführend erscheint es […], aufwendige Animationen für pompös gehaltene Intros zu Online-Specials einzusetzen. Viel sinnvoller als solcher ‚Eye Candy‘ sind Animationen immer dort, wo komplexe Sachverhalte verständlich visualisiert werden müssten. Leider wird diese multimediale Form der Infografik aber von fast allen Online-Angeboten noch völlig vernachlässigt.

Auffallend ist andererseits, wie viele Online-Angebote selbst elementare Regeln der Usability missachten und dadurch einen sonst durchaus positiven Gesamteindruck trüben. Typische Beispiele sind Websites, die Inhalte nicht durch die Augen der Nutzer strukturieren, Highlights verstecken, unleserliche Schriftgrößen verwenden und Web-Standards missachten. Es wäre ein großer Fehler, die Nutzbarkeit eines Online-Angebots als Kür, nicht als Pflichtprogramm zu sehen.

Genau.

Konstantin-Quiz

Die Stadt Trier widmet sich in diesem Jahr intensiv einem ihrer prominentesten Ex-Bewohner. Um Kaiser Konstantin geht es unter anderem in einer großen Ausstellung in mehreren Museen der Stadt. Seine Füße sind beliebtes Angriffsziel der heimischen Vandalenszene. Am vergangenen Sonntag wurde der Konstantin-Thaler tausendfach unters Volk gebracht. An einem verkaufsoffenen Sonntag übrigens.

Kleine Quizfrage an meinen elitären Leserkreis: Wer hat den Sonntag eigentlich mal zum arbeitsfreien Feiertag erklärt?

Wer die erste richtige Antwort mit Beleglink postet, bekommt ein Buch von mir, das ich selbst vollgeschrieben habe (Selbstabholung).

(Inspired by E.M. – und auch Steffen darf nicht mitraten.)

zeit.de macht sich lesbarer

Zeit.de kommt ab Montag im neuen Gewand und erlaubt im Redaktionsblog schon mal einen ersten Blick darauf. Sieht erstmal gut aus. Eine aufgeräumte – und hoffentlich im Auftritt konsistente – Kopfnavigation. Eine breite, mittige Contentspalte, in der es allerdings zumindest im Screenshot typographisch etwas wild zugeht.

Auf jeden Fall besser als das aktuelle Setzkastenlayout, bei dem ein schnelles Scrollen und Scannen geradezu unmöglich ist und vor allem im unteren Teil optische Anker für den Blickverlauf fehlen.

End of journalism?

Die mir sehr sympathischen „Internationalen Journalisten-Programme“ (IJP) haben ein Weblog mit der Domain www.end-of-journalism.org an den Start gebracht, in dem über die Zukunft des Journalismus in Zeiten des Medienwandels diskutiert wird. Ist nicht ganz so apokalyptisch wie es zunächst aussieht, weil anders als in der Domain auf der Website ein Fragezeichen dazu gestellt wird. Kann interessant werden, da IJP mit seinen Austauschprogrammen ein dichtes, weltweites Netzwerk aus Journalisten ist. Im September wird die Debatte dann in Bonn weitergeführt, bei der 3. IJP-Alumni-Konferenz (Ausschreibung als pdf).

Frankfurter Rundschau kommuniziert Tabloid

Die Frankfurter Rundschau kommuniziert ihren Lesern die Vorteile des Tabloidformats, in dem sie ab Monatsende erscheinen wird. Die Artikelserie ist hier online zu finden. Eine Preview auf das neue Kleinformat gibt es dort ebenfalls. Der Schritt zum Tabloid kann aus meiner Sicht nicht intensiv genug erklärt und diskutiert werden – zumal, wenn es sich in der Form um eine Premiere im deutschen Zeitungsmarkt handelt. Und wenn die Leser so skeptisch sind, dass sie zum Lineal greifen.

Interessant ist es in jedem Fall, welche Aspekte der Zeitungsnutzung im Leserfeedback zur Sprache kommen: Reicht das neue Format, um eine Flasche Wein darin einzuschlagen? Und was bedeutet das Tabloid für den Meerschweinchenkäfig? Ganz neue Perspektiven für die Zeitungsnutzungsforschung: Beschaffungsanträge für Weinvorräte, Tierversuche – das mit dem Lineal haben wir ja schon gemacht.

Was wir dabei in Trier in einer Rezeptionsstudie (am Menschen) zur Frage Broadsheet versus Tabloid herausgefunden wurde, erscheint voraussichtlich im Juli in den Special Reports der Ifra.

Auch die Süddeutsche macht Burger-Journalismus

Die Frankfurter Rundschau wird zu recht dafür gerügt, dass sie in einem „Zeitung in der Schule“-Projekt eine Beilage mit solchen Schülertexten über den „Projektpartner“ McDonald’s herausbringt, im Print übrigens als Anzeige gekennzeichnet.

Hätte ja auch die Süddeutsche mal was auf der Medienseite drüber schreiben können, oder? Ach nee, wäre blöd gewesen.

Abgehangen

Warum eigentlich sollte mich als Zeitungsleser heute, also am 7. Mai, ein Bericht über ein Konzert von Spy Kowlik interessieren, das am 27. April stattfand? Wenn die Lokalzeitung in Veranstaltungsberichten die wichtige W-Frage WANN nicht beantwortet – und das tut sie oft – ist höchste Vorsicht geboten. In der Fleischbranche nennt man das Gammelfleisch.

(Davon abgesehen lohnt es sich natürlich immer und überall, etwas über Spy Kowlik zu lesen oder von ihnen zu hören.)