Archiv für den Monat: April 2007

Nutzerfreundliche Zeitung

Oliver Reichenstein von den Information Architects schreibt sehr viel Wahres zur Zukunft der Zeitung in The Future of News (pdf, Draft-Version). Das Paper ist eine klare Ansage an die Zeitungsverlage, die online in Sachen Nachrichtenaufbereitung, Kundenkommunikation, Anzeigenverkauf, Markenpflege nicht eben glänzen – weil diese Themen bisher auch im Printgeschäft keine wesentliche Rolle gespielt haben.

Reading newpapers is relatively stressful. Quality newspapers like the New York Times, The Guardian or Die Frankfurter Allgemeine Zeitung are – compared to web standards – considerably user unfriendly; they are comparingly hard to scan, the print is small, the editors are stingy with subtitles, the language snobbish and esotheric beyond necessity, reader comments come in days after the article is published, the sources are hard to track.

Trotzdem gibt Reichenstein auch der gedruckten Zeitung eine Zukunft:

The print edition of a newspaper can become a premium product that incites users to contribute to it – online. In order to establish itself as the info extravagance, it needs to learn contemporary information design principles and significantly improve its interface. Newspapers that mange to join online and print soon, will get significant advantage over the competition.

Die Zeitung als Interface zu betrachten, ist sicher der richtige Weg, um zu einer nutzergerechten Gestaltung zu kommen. Zwei Versuche in diese Richtung stehen in diesem Jahr in Frankfurt an: Die Frankfurter Rundschau kommt ab 30. Mai als Tabloid und sogar die FAZ plant laut Focus eine Aufhübschung.

Mind the gap!

Gapminder bastelt interessante Visualisierungen statistischer Daten. Ein Beispiel hier bei den Googles. Die Darstellung ist datenbank-gestützt und vom Nutzer steuerbar. Die Grafiken zeigen sehr schön, welchen Mehrwert solche Visualisierungen haben können, wenn

  • eine große Menge Zahlen
  • im Zeitverlauf
  • mit geographischem Bezug

darzustellen sind. Auffällig, dass die in diesem Jahr bei Malofiej ausgezeichneten Grafiken der nytimes.com ähnlich funktionieren. Eine neue journalistische Darstellungsform, die auf Kompetenzen des Computer Assisted Reporting zurückgreift: Der Umgang mit großen Datenmengen und deren Aufbereitung.

PDF jetzt noch dünner!

Der Online-PDF-Postille onruhr geht offenbar die Luft aus. Chefredakteur Uwe Knüpfer gestern in einem Editorial:

In den nächsten Wochen wird onruhr nicht weiter an Umfang zulegen, sondern dünner werden.

Gerade gefühlt: Noch ist mein Monitor gleich dick bzw. flat. Aber vielleicht muss man das Blatt ja tatsächlich ausdrucken?!

Wir sind angetreten zu beweisen, dass die Zeitung aus dem Netz mach- und lesbar ist. Das ist uns gelungen.

Lesbar? .

[via pottblog, lesenswert dazu auch Knüwer]

Multimedia als Uniprojekt

Immer wieder schön anzuschauen: Die Multimedia-Projekte, die Rich Beckman von der University of North Carolina in Chapel Hill in den letzten Jahren mit seinen Studenten und internationalen Kooperationspartnern umgesetzt hat.

[To be continued…]

pdf mal besonders sinnlos eingesetzt

Ein schönes Beispiel, wie sich Online-Inhalte per pdf möglichst umständlich veröffentlichen lassen, liefert das Gesundheitsministerium mit der Begleitkampagne zur Gesundheitsreform. In einer nur aus einer Titelseite bestehenden Gesundheitszeitung (Vorsicht, pdf!) werden Themen angerissen, die Links führen dann auf reguläre Html-Seiten des Angebots. Wo man beim Klick hinkommt, wird aber vorher nicht verraten.

DJV ganz marktgerecht: „Am Ende profitieren alle“

Es ist lobenswert, wenn der Deutsche Journalistenverband mal den Hintern hochbekommt, und eine größere Tagung auf die Beine stellt, nämlich den Süddeutschen Journalistentag am 12. Mai in Nürnberg. Das Programm ist allerdings – wie die Macher auch einräumen – nach dem Prinzip „Namen sind Nachrichten“ zusammengeklöppelt worden. Um welche Themen es konkret gehen soll, bleibt im Dunkeln.

Zweifelhaft liest sich die Ankündigung, die Tagung werde auch „Marktplatz“ sein:

Mehrwert und Nutzen für Journalisten schaffen ist die Grundvoraussetzung für die teilnehmenden Unternehmen, Institutionen und Verbände, die sich auf dem Marktplatz präsentieren: Hersteller von Kameras, Laptops oder Software, Unternehmen aus der IT-Branche, Verlage, Weiterbildungseinrichtungen und Online-Dienste für Medienschaffende.

Der Journalistentag 2007 wird mehr sein als eine reine Produkt- und Leistungsschau. Er wird die Journalisten in ihrem Beruf voranbringen. Und er wird die sich präsentierenden Marktteilnehmer in einer entspannten Atmosphäre mit eben diesen Journalisten ins Gespräch bringen. Am Ende profitieren alle.

Da sehen sich die Kollegen vom Netzwerk Recherche wohl in allen ihren Urteilen und Vorurteilen zur Vermengung von Journalismus und PR bestätigt. Ihre Jahrestagung wird in diesem Jahr auf zwei Tage ausgedehnt (15. und 16. Juni, wie immer in Hamburg) und hat – anders als der DJV-Tag – auch ein Schwerpunkt-Thema: Medien und Journalismus in Osteuropa. Dabei arbeitet Netzwerk Recherche übrigens mit n-ost zusammen, dem mir sehr sympathischen Netzwerk für Osteuropa-Berichterstattung.

[Ich bin Mitglied im DJV und im Netzwerk Recherche, insofern quasi neutral.]

Rätselhaftes Internet

Das „Jetten im Internet kann dann oft nicht mehr gesteuert werden und führt zu süchtigem Verhalten“ zitiert die aktuelle Titanic (nur Print) einen Warnhinweis aus dem „Manual für die Schulpraxis am Gymnasium“ der Akademie für Lehrerfortbildung in Dillingen. Aber ist nicht dies beziehungsweise das viel gefährlicher?