Wenn Leser lesen, lesen sie – sagt Poynter

Poynter hat die ersten Ergebnisse der neuen Eyetrack-Studie vorgestellt. Leider wird an vielen Stellen nicht klar, was die Datenbasis ist und wie die Kategorien gebildet wurden. Ein Beispiel sind die Lesequoten: Wenn ein Leser einen Text zum Lesen ausgesucht hat, dann liest er nach Poynter im Tabloid 57 Prozent, im Broadsheet 62 Prozent und Online sogar 77 Prozent. Da will ich aber wissen:

  • Ab wann gilt ein Text als zum Lesen ausgesucht? Nach einer Zeile Lesebewegung in der Zeitung? Nach Aufruf der Volltextseite im Web?
  • Sind Print und Online in dem Punkt überhaupt vergleichbar? Im Print kann ich meine Entscheidung für oder gegen einen Text durch ein kurzes Anlesen treffen, online zunächst einmal nur durch den Teaser auf einer Übersichtsseite – vermutlich ist die Rezeptionshaltung dann medienspezifisch unterschiedlich.
  • Wie lang sind denn die Texte in den jeweiligen Medien? Vermutlich Online kürzer als im Print – dann sind die Prozentwerte schon mal wenig aussagekräftig.
  • Und: Wie viele Tests kamen in diese Auswertung?

So ist die Botschaft wohl vor allem eine Beruhigungspille für besorgte Textjournalisten: Seht her, die Leute lesen doch noch! Spannender ist dabei aber die Frage: Wie entscheiden sich denn die Leser für oder gegen einen Text? Welche Rolle spielt die Gestaltung? – Aber dazu gibt es dann ja bald Blickaufzeichnung07 aus Trier.

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