Editing, reporting

Ist das jetzt eigentlich verkehrte Welt, wenn in der anglo-amerikanischen Medienwelt überlegt wird, die Trennung zwischen Copy Editors und Reportern aufzuheben, während manche deutsche Nachrichtenstube durch die Einführung dieser Rollentrennung gerade zum schicken Newsroom mutiert?

Ich schenke ein Ich

Eine FAZ-Mitarbeiterin schildert, wie ihr in Irkutsk die Geldbörse entwendet wurde und was sie daraufhin mit den Behörden erlebte. Der Autorin ist dabei offenbar auch das Wort “Ich” aus dem Wortschatz abhanden gekommen.

Nee, im Ernst: In Zeitungstexten nicht in erster Person zu schreiben, kann ja eine durchaus sinnvolle Faustregel sein, weil es den Leser vor möglichen Eitelkeiten der Reporter schützt. In dieser Form allerdings wird es zum Manierismus. Ich schenke deshalb ein paar “Ichs”: Ich, Ich, Ich.

Gerne auch an alle, die sich in ihren eigenen Texten selbst als “der Chronist”, “der Schreiber dieser Zeilen” oder “der Berichterstatter” einführen.

Interactive Narratives ist wieder da

Gute Nachricht für Freunde des multimedialen Journalismus: Die von Andrew DeVigal gegründete Site interactivenarratives.org ist nach längerer Pause wieder am Start. Das Grundkonzept ist geblieben: Hier finden sich Hinweise auf gelungene Multimedia- und Interactive-Stücke aus aller Welt. Wer Tipps und Hinweise hat, kann sie dort einreichen und so in der Community bekannt machen. Neu ist, dass die Online News Association als Herausgeber mit an Bord ist.

Großnachrichtenlage in Kolumbien

Wenn die Server der wichtigsten Nachrichtensites eines Landes zusammenbrechen, ist eine Großnachrichtenlage. Meist etwas Katastrophales, siehe 11. September. Im Moment sind wichtige kolumbianische Newssites nicht erreichbar oder liefern nur eine einzige Textnachricht aus - allerdings eine positive: Ingrid Betancourt ist nach mehr als sechs Jahren Geiselhaft aus der Gewalt der FARC-Rebellen befreit worden, offenbar gemeinsam mit mehreren anderen Geiseln. Die genauen Umstände sind noch unklar, und in Kolumbien geschehen mitunter unerklärbare Dinge - deshalb ist der Nachrichtenhunger groß. Trotzdem: Good news, so far!

Journalismus und Klicks

Josef Joffe schreibt in der Zeit ein kleines Meinungsstück zu Journalismus und “user generated content”. Die richtige und deshalb auch wenig überraschende These: UGC ist kein Journalismus. Gut, kann man schreiben. Aber warum Klicks ein Widerspruch zum Journalismus sein sollen, das erschließt sich nicht:

“Einige Zeitungen, vorweg die Washington Post, verdienen schon viel Geld mit Online. Warum? Nicht weil sie die »User« mit ihren Kommentaren und Filmchen einspannt, sondern weil sie ihren hohen Standard aufs Web überträgt, also mit Klasse, nicht mit Klicks arbeitet.”

Vielleicht liegt es aber auch daran, dass für Joffe die Begriffe “Klicks”, “Visits”, “Community” und “User” alle aus der Gosse kommen und so eklig sind, dass er sie nur mit Anführungsstrichen anfassen mag.

[Nachtrag: Falk Lüke hat mal ein paar Zahlen zusammengestellt, die zeigen, dass auch die Zeit kein wirksames Mittel gegen diese “Klicks” hat.]

Dämme in Damme, Mississippi oder Dümmer

Welt online geht mit einer Nachrichtenkarte an den Start und geo-verortet News. Scheint noch etwas beta zu sein: Die Ortsmarken der Nachrichten, die dann auch die Lokalisierung bestimmen, werden offenbar teilweise automatisch generiert. Da kann dann schon mal was daneben gehen:

Nachrichtenkarte welt.de

Online Journalism Review am Ende

Überraschung, und zwar keine schöne: Die Online Journalism Review macht dicht. Das bisher von der Annenberg School for Communication unterstützte Magazin zum Thema Online-Journalismus wird nicht mehr aktualisiert, Editor Robert Niles geht (offenbar nicht freiwillig). Das Magazin war in den letzten Jahren eine gute Quelle für praxisnahe Beobachtungen und Tipps zum Onlinejournalismus und virtueller Treffpunkt für Onlinejournalisten, Wissenschaftler und andere Interessierte aus aller Welt. Deshalb: Schade!

Niles verweist in seinem letzten Posting auf das Knight Digital Media Center, in deren Blogs das Thema vielleicht weiter behandelt wird. Deren Seite macht vor allem eins: Augenkrebs.

Mario García bloggt

Mario García, Großmeister der Zeitungsdesigner-Gilde, ist unter die Blogger gegangen. Die ersten Schritte sind noch erkennbar auf wackligen Beinen gemacht, es gibt keine Visuals, dafür aber schönen Blindtext (zum Beispiel hier bei “About the blog”). Mal abwarten, was draus wird…

(via)

Runde Tische in Reykjavik

Eine kleine, feine Konferenz in Reykjavik. Vorträge gibt es in intensiven Roundtable-Sessions. Einige Kollegen bloggen live - hier und dort.

Abkühlen und vortragen in Reykjavik

Es ist zu warm hier. Deshalb fahre ich dahin, wo es mindestens zehn Grad kühler ist. Am Donnerstag und Freitag findet in Reykjavik die Tagung der International Association of Online Communicators (IAOC) statt. Ich halte einen Vortrag mit dem Titel “User Interaction with Time-dependent Presentations in Online Journalism. Results of an Eye-tracking Study”. Und danach lege ich mich in die Blaue Lagune.

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